Kleinmachnow : Streit um das Denkmal am alten Grenzübergang

Das ehemalige Panzerdenkmal am einstigen Kleinmachnower Autobahn-Grenzübergang Drewitz soll saniert werden. Doch in Kleinmachnow regt sich der Widerstand, hier will man es lieber abreißen.

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Schneefräse statt Panzer. Das Denkmal an der Autobahn bei Kleinmachnow. F.: Thomas
Schneefräse statt Panzer. Das Denkmal an der Autobahn bei Kleinmachnow. F.: Thomas

Das ehemalige Panzerdenkmal am einstigen Kleinmachnower Autobahn-Grenzübergang Drewitz im Süden Berlins soll saniert werden – pünktlich zum 50. Jahrestag des Mauerbaus am 13. August 2011. Doch in Kleinmachnow regt sich Widerstand.

Autofahrer müssen ganz genau hingucken, um das Denkmal an der A115 zwischen Drewitz und Dreilinden zu erkennen. Bis 1989 war hier einer der wichtigsten Ost-West-Übergänge, und bis 1990 markierte ein sowjetischer T-34 auf einem massiven Betonsockel die Grenze zwischen Ost und West. 1992 setzte der Berliner Aktionskünstler Eckhardt Haisch eine rosa Schneefräse auf die damals leere Rampe. Das Ensemble steht seit Jahren unter Denkmalschutz, doch eine Schallschutzwand und junge Bäume versperren den Blick. Nur zu Fuß findet man den Weg entlang der Autobahn dorthin. Das Denkmal rottet vor sich hin und ist ein beliebter Platz für Partys. Der Sockel ist mit Graffiti beschmiert, die Schneefräse ist schon lange schwarz bemalt.

Seit einigen Monaten drängt die Initiative „Freunde des Panzerdenkmals“ auf eine Sanierung. Prominentester Fürsprecher und einer der Erstunterzeichner eines Rettungsaufrufs ist Brandenburgs früherer Innenminister Jörg Schönbohm (CDU). „Das ist ein Symbol, wie ein Pfahl im Fleisch, das an die deutsche Teilung erinnert“, sagte er dem Tagesspiegel. Seine Parteifreunde in Kleinmachnow sehen das ganz anders. Ludwig Burkardt, Chef der CDU-Fraktion im Gemeinderat, sagt: „Wir sind für den Abriss. Das ist ein Denkmal, das keine Bedeutung mehr hat, weder als Kunstwerk noch für die Gedenkfunktion.“ Seit dem Abtransport des Panzers durch die Sowjets 1990 sei das Denkmal ohne Inhalt – im Gegensatz zu etwa dem in Berlin-Tiergarten. In Kleinmachnow aber sei „die Idee ,Schwerter zu Pflugscharen’ an den Haaren herbeigezogen, nur um eine solche Bauruine wieder aufzumotzen.“ Wie die CDU lehnt auch die Linke die Sanierung ab. Dagegen will Bürgermeister Michael Grubert eine Stiftung gründen, um das „Freiheitsdenkmal“ zu retten. Im Gespräch ist ein über einen Rundweg verbundenes Ensemble mit dem Grenzturm an der Autobahn, der früheren DDR-Hoheitsstele und dem Übergang Dreilinden. 70 000 Euro soll die Sanierung kosten. Brandenburg will 20 000 Euro aus SED-Parteivermögen beisteuern, ebenso der bundeseigene Bodenverwalter BVVG, der das Gelände kostenlos abgeben will. Auch der Kreis Teltow-Fläming ist im Boot. Nur Kleinmachnow streitet.

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