Berlin : Klemann will die zentralen Plätze in Senatsregie übernehmen

HANS TOEPPEN

Drohung wegen des Ernst-Reuter-Platzes / Wasserbetriebe bieten sich als Sponsor anVON HANS TOEPPEN BERLIN.Mit einer Staatsaktion will jetzt Bausenator Jürgen Klemann das Problem der verwahrlosten Plätze in der Stadt lösen.Auf eine Beschwerde von Edzard Reuter über den Zustand des Reuter-Platzes in Charlottenburg reagierte der Senator gestern mit der Ankündigung, Plätze von "gesamtstädtischer Bedeutung" künftig in Senatsregie zu nehmen.Der Fall Ernst-Reuter-Platz hätte allerdings schon geregelt sein können: Die Wasserbetriebe haben dem Bezirksamt Charlottenburg vor kurzem vertraulich angeboten, die trostlose Brunnenanlage zu finanzieren und ihren Betrieb zehn Jahre lang zu finanzieren.Nach Charlottenburger Darstellung hat sich der Senat aber zunächst außerstande gesehen, genau 6233,20 Mark für die Fahnen der Europäischen Union um den Platz herum aufzubringen. Das elende Aussehen des Platzes wird seit langem beklagt, wobei sich der CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus-Rüdiger Landowsky mit Kritik an der Charlottenburger Bezirksbürgermeisterin Monika Wissel (SPD) hervorgetan hat.Dem Bezirk fehlt das Geld für die millionenschwere Sanierung des Brunnens und dessen Betriebskosten von 180 000 Mark im Jahr.Umgekehrt fehlten aber auch Innensenator Jörg Schönbohm (CDU) ein paar tausend Mark für die Flaggen der europäischen Union, weshalb der Innensenator noch im Sommer vergeblich bei anderen Verwaltungen um Zuschüsse gebettelt hatte.Als Verlegenheitslösung wurden schließlich nach einigem Hin und Her die Fahnen der Bundesländer aufgezogen - weil sie vorrätig waren. Die Beschwerde des Ernst-Reuter-Sohnes Edzard über den Zustand des Platzes und seine Drohung, eine Rücknahme des Namens Ernst Reuter "rechtlich überprüfen" zu lassen, lösten nun plötzlich politische Aktivitäten aus.Landowsky stellte die Frage in den Raum, ob man dem Bezirk nicht die Zuständigkeit für den Platz entziehen solle.Dafür hat SPD-Fraktionschef Klaus Böger zwar kein Verständnis, aber auch er fordert schnelle Taten: "Erledigen durch Liegenlassen geht nicht".Eine solche "Visitenkarte der Stadt" könne nicht im "Räderwerk zwischen Bezirk und Senat verkommen".Ein privates Sponsorenmodell sei in Ordnung. Wenn bis Jahresende "nichts passiert", will nun Bausenator Klemann die Zuständigkeit für den Platz an sich ziehen.Grundsätzlich denkt er ohnehin daran, zentrale Plätze in die Obhut des Senats zu nehmen, um etwas gegen das "Schmuddelimage" der Stadt zu tun. Dafür ist offenbar gar nicht mehr so viel nötig.Der Brief Reuters nach Berlin stammt vom 20.November.Am 1.Dezember schrieb wiederum Bezirksbürgermeisterin Wissel an Senatskanzlei-Chef Volker Kähne: Die Wasserbetriebe hätten vor kurzem angeboten, den Platz auf eigene Kosten zu sanieren, wenn dort ihre Fahnen aufgehängt und eine Sponsoren-Tafel aufgestellt werde.Allerdings habe sich die Senatsinnenverwaltung erneut außerstande gesehen, zwei Sätze mit den üblichen Fahnen der Europäischen Union (6233,20 DM) für den Platz zu finanzieren. Bei Kähne scheint die Bürgermeisterin an einen unkonventionellen Gesprächspartner geraten zu sein.Er hat zugesagt, dieses Geld zu besorgen - egal wie.

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