Berlin : Klick-klick statt tack-tack

Blinde kritisieren verzögerte Ampelumrüstung in Steglitz

Thomas Neubacher-Riens

Zum „Tag des weißen Stocks“ hat der Berliner Blindenverband die Stadt für mangelnde Verkehrssicherheit von Blinden und Sehbehinderten kritisiert. Als konkretes Beispiel nannte der Verband am Montag die Kreuzung am Rathaus Steglitz, die für Blinde lebensgefährlich sei. Auch zwei Jahre nach einer Übereinkunft über eine blindengerechte Umrüstung der Ampelanlage sei nichts passiert, kritisierte der Allgemeine Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin (ABSV).

Anke Overbeck ertastet mit ihrem weißen Stock den Bordstein und hastet über die sieben Fahrspuren der Kreuzung Schloßstraße / Grunewaldstraße. Anke Overbeck ist blind, der Stock ihre einzige Hilfe, um die gefährliche Großkreuzung im Schatten des Kreisels zu meistern. Seit Jahren fordern Blinde und der ABSV einen blindentauglichen Umbau der Kreuzung mit Rillenplatten an den Überwegen und dem „akustischen Grün“, jenen Kästen an Ampeln, deren Tacktacktack Blinden eine sichere Orientierung im Straßenlärm garantiert. Die Kreuzung sei tägliches Hindernis für blinde Menschen auf dem Weg zu etlichen Einrichtungen. Pünktlich zum 15. Oktober, dem „Tag des weißen Stocks“, versammelten sich gestern Blinde und Sehbehinderte an der Kreuzung, um vor Ort erneut sichere Übergänge zu fordern.

„Seit zwei Jahren versprechen öffentliche Stellen eine ,unverzügliche’ Umrüstung der Ampeln", empört sich Volker Lenk vom ABSV. Das Labyrinth zwischen dem Senator für Stadtentwicklung, der Straßenverkehrsbehörde und dem Bezirksamt Steglitz sei so wirr wie der Verkehr rund um den Steglitzer Kreisel. Die Verzögerung des Umbaus ist riskant. Fünf Blindeneinrichtungen liegen in unmittelbarer Nähe der Kreuzung, darunter das Blindenmuseum, die „Johann August Zeune Schule“ für Blinde und das Blindenhilfswerk Berlin mit seiner Werkstätte. Viele Blinde sind auf sich allein und die ebenfalls nicht blindenfreundliche S-und U-Bahn oder eine der elf Buslinien des Verkehrsknotens angewiesen, um die Einrichtungen zu erreichen. Zuletzt sagte Stadtentwicklungssenator Strieder die Umrüstung für das Jahr 2003 voraus. Blinden- und sehbehindertengerechte Ampelanlagen gegeben ein gleichmäßiges „Tackern“ von sich, mit dessen Hilfe Blinde den Ampelmast finden können. Rund um den Kreisel macht es indes wohl noch lange Klick, Klick, Klick statt Tacktacktack.

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