Berlin : Klima-Aktionsplan für Berlin

Die Stadt braucht Stromspar-Kampagnen und mehr Solar-Energie Von Franziska Eichstädt-Bohlig

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Nicht nur der Bund, auch Berlin muss Konsequenzen aus dem dramatischen Klimabericht des Weltklimarats ziehen. Es muss energisch gehandelt werden – auf Seiten der Politik ebenso wie auf Seiten der Bürger und der Wirtschaft. Die Stadt braucht einen KlimaAktionsplan, um den CO2-Ausstoß bis 2020 gegenüber 1990 um mindestens 40 Prozent zu senken. Der Bau eines neuen Kohlekraftwerks in Klingenberg muss verhindert werden – durch Energieeinsparung und den Ausbau regenerativer Energien. Dafür sind viele Bausteine notwendig:

Als Erstes muss ein umfassendes energetisches Modernisierungsprogramm für Berlins öffentliche Gebäude vereinbart werden, das auf maximale Einsparung von Wärmeenergie und Strom ebenso setzt wie auf den Einsatz erneuerbarer Energien. Gleichzeitig startet Berlin eine Stromsparkampagne, die den öffentlichen und schrittweise den privaten Verbrauch um 20 Prozent senkt. Dafür sollen Energiesparlampen genutzt, Stand-by-Anlagen abgeschaltet und unnötige Stromquellen stillgelegt werden. Der Strom für öffentliche Einrichtungen wird zu mindestens 30 Prozent aus regenerativen Quellen gespeist. Beleuchtete Werbeflächen sollen mit Solarenergie betrieben werden, angefangen wird bei allen neuen Anlagen.

Berlin führt ein Wärmegesetz ein, das für alle Neubauten einen Mindestanteil von erneuerbaren Energien bei der Wärmeproduktion vorsieht. Auch die Biotonne soll zum Energiespender werden, indem aus den Abfällen endlich nützliches Biogas gemacht wird.

Berlin initiiert ein 10 000-Dächer-Solar-Programm unter Einbeziehung der KfW-Förderung für regenerative Energien. Mit einer Kampagne „Der Hauswirt wird Energiewirt“ sollen Hausbesitzer geworben werden, den neuen Energiepass sinnvoll zu nutzen und ihre Gebäude für den grünen, den energieeffizienten Bereich fit zu machen. Sie werden staunen, wie viele Gebäude man für eigene Energieproduktion nutzen kann. Vor allem die großen, flachen Dächer von Hallen und Gewerbebauten sollten mit Solarstromanlagen bestückt werden.

Auch in der Forschung und Entwicklung kann Berlin mehr tun: Die Solardünnschicht muss bald auch für das Beschichten von Dachpfannen brauchbar werden. Die Nutzung von Abwasserwärme muss vorangetrieben, die Speicherung von regenerativem Strom weiterentwickelt werden. Die Tiefengeothermie ebenso.

Wir brauchen aber auch einen neuen, verantwortungsvollen Umgang mit dem Fliegen und dem Autofahren. Auf Bundes- und EU-Ebene muss die Kerosinsteuer eingeführt werden. Spritsparende Autos müssen Standard werden. Berlin selbst braucht ein Mobilitätskonzept, das den Umstieg vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr vorantreibt und damit den CO2-Ausstoß im Stadtverkehr senkt. Ziel muss es sein, dass viel mehr Menschen ihr Auto öfter stehen lassen oder es ganz abschaffen, dass sie auf Car-Sharing, Fahrrad, Bus und Bahn umsteigen. Dies käme auch der Lebensqualität zugute: Weniger Blech, weniger Lärm, Feinstaub und Unfallgefahren – mehr Raum zum Erholen und zum Spielen. Berlin als Stadt des aktiven Klimaschutzes, das ist ein Ziel, das auch bei knappen öffentlichen Kassen machbar ist. À la longue sparen Stadt, Wirtschaft und die Bürger das an Energiekosten wieder ein, was sie an Investitionen für den Klimaschutz aufwenden. All diese Initiativen bringen neue Impulse für Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft. Es wäre gut, wenn der schockierende Weltklimabericht den rot-roten Senat endlich aus dem Dornröschenschlaf erweckt!

Die Autorin ist Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Grüne im Berliner Abgeordnetenhaus.

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