Berlin : Klima-Alarm: Berlin will Energie sparen

Wärmeschutzprogramm wird zunächst bis 2010 fortgesetzt. Für Autos kommt bereits 2008 die Umweltzone mit Verbot für „Stinker“

Sabine Beikler,Klaus Kurpjuweit

Dürreperioden, sinkende Grundwasserspiegel, Versteppung, Wüstenbildungen: Das sind keine abstrakten Schreckensszenarien im UN-Bericht zum Klimawandel, sondern konkrete Bedrohungen, die auch Berlin betreffen. Würde die Erderwärmung um fünf Grad Celsius steigen, könne die Sahara bis nach Berlin reichen, warnte Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung. Ursache für die Klimaerwärmung sind Treibhausgase. „Alle Länder sind aufgefordert, sich umweltpolitische Ziele zu setzen und sie zu erreichen“, sagte Berlins Umweltstaatssekretär Benjamin Hoff dem Tagesspiegel.

Zwischen 1990 und 2003 habe Berlin seine CO2-Emissionen um 16 Prozent gesenkt, Hamburg im Vergleich um lediglich vier Prozent. Was er nicht sagt: Erreicht wurde die CO2-Reduzierung in Berlin vor allem, weil nach der Wiedervereinigung viele Industriebetriebe dichtmachten. Durch Energiesparen will Berlin die CO2-Emission von 30 Millionen Tonnen im Jahr 1990 auf 22 Millionen Tonnen im Jahr 2010 senken. Der jährliche Kohlendioxid-Ausstoß liegt laut Hoff in Berlin pro Kopf bei 7,2 Tonnen, in Hamburg bei 11,3 Tonnen und in Bremen bei 18,1 Tonnen: In dieser Gesamtbilanz sind Strom-, Heizungsverbrauch, Benzin und die Verwendung anderer fossiler Brennstoffe eingerechnet.

Hoff sagt, dass das gute Abschneiden Berlins auch mit geringeren Industrieansiedlungen als in anderen Bundesländern zu tun habe. In den Jahren 2003/2004 hatte die Berliner Industrie am CO2-Ausstoß einen Anteil von zehn Prozent, der Straßenverkehr dagegen einen Anteil von 20 Prozent. „Deshalb ist die Einführung von Umweltzonen in Berlin auch für den Klimaschutz sehr wichtig.“

Im nächsten Jahr sollen innerhalb des S-Bahn-Rings nur noch Autos fahren dürfen, die die aktuellen Abgasnormen erfüllen. Welche Ausnahmen es geben wird, steht noch nicht fest. Ob es auch gelingt, Autofahrer zum Umsteigen auf den Nahverkehr zu animieren und so den Autoverkehr zu reduzieren, ist ungewiss. Während es der S-Bahn im vergangenen Jahr gelang, die Zahl der Fahrgäste um fünf Prozent zu steigern, schaffte die BVG nur einen Anstieg von 0,5 Prozent. Damit lag der größte kommunale Verkehrsbetrieb unter dem Bundesdurchschnitt.Die BVG hat zuletzt allerdings auch ihr Angebot reduziert. Neue Strecken für Bahnen, die zusätzliche Fahrgäste anlocken könnten, sind bis auf wenige Ausnahmen nicht geplant. Umweltfreundliche Straßenbahnlinien will die BVG einstellen, wenn notwendige Investitionen den vorgegebenen Rahmen sprengen. Ihre neuen Busse haben die derzeit modernste Abgastechnik.

Um bei Gebäuden Energie zu sparen, hat das Land ein Energieprogramm aufgelegt, das zunächst bis 2010 fortgesetzt wird.Vor allem die öffentlichen Bauten sollen wärmeschutzsaniert werden und durch sogenannte Energiesparpartnerschaften bewirtschaftet werden.

Das funktioniert wie folgt: 1992 wurde die Berliner Energieagentur gegründet, um Energiesparpotenziale bei öffentlichen Gebäuden zu erkennen. Die Gesellschafter der Agentur sind zu je 25 Prozent das Land Berlin, Vattenfall Europe, die Gasag und die KfW-Bank. Die Agentur vermittelt dem Land Unternehmen wie Versorger oder Ingenieurbüros, mit denen Verträge über Einsparziele unterzeichnet werden. Pro Jahr werden elf Millionen Euro durch neue Technik eingespart, die die Unternehmen finanzieren. Der Haushalt wird um drei Millionen Euro entlastet, der Rest geht an die Energiepartner. Das Land hat 4000 Verwaltungsgebäude, für die 1300 Partnerschaften unterzeichnet wurden. Bis 30 Prozent Energiekosten werden jährlich eingespart. Das entspricht 1,5 Millionen Euro und einer CO2-Reduktion um 60 000 Tonnen pro Jahr. Daniel Buchholz, umweltpolitischer SPD-Sprecher, fordert auch landeseigene Wohnungsbaugesellschaften zu energiesparenden Sanierungen auf.

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