Berlin : Klima schaffen

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VON TAG ZU TAG

Elisabeth Binder über die dringende Renovierung des Schlosses Bellevue

Man muss sich das mal vorstellen. Ein amerikanischer Präsident, egal welcher, kommt zur schönsten Jahreszeit nach Berlin. 30 Grad, Sonne, die Stadt zeigt sich von ihrer strahlenden Seite. Haben wir alles in diesem Jahrtausend schon erlebt. Natürlich besucht er das Schloss Bellevue. Hier repräsentiert schließlich das Staatsoberhaupt eines der führenden Industrieländer der Welt.

Es geht um Exporte neuer Industrieprodukte, um erste Welt und dritte Welt, es gibt kühle Drinks, aber.... Irgendwas fehlt. Diese Hitze! Ob wohl die Klimaanlage kaputt ist? Das fragt sich heimlich der Gast aus den stets gut gekühlten USA. Nein, sie ist nicht kaputt. Es gibt hier überhaupt gar keine Klimaanlage. Und auch sonst manches nicht, was heutzutage jede mittlere Familie für sich zum Standard zählt. Bundespräsidenten haben eine besonders wichtige Vorbildfunktion, schon deshalb müssen sie bescheidene Menschen sein und dürfen sich dem üblichen LobbyistenGeschrei nach mehr und immer mehr Geld für Bedürfnisse des eigenen Amtes nicht anschließen. In diesem Fall aber haben es vor allem die Vorgänger des amtierenen Präsidenten mit der Bescheidenheit zu weit getrieben. Haben sich auf Anekdoten über den Zustand des Hauses im kleinen Kreis beschränkt, wo deutliche Worte fällig gewesen wären.

Jeder oberste Meinungsführer, der dieses Land besucht, (und was anderes sind Staatschefs denn wohl?), verschafft sich auch im Schloss Bellevue einen Eindruck von dem Land, mit dem es Wirtschaftsbeziehungen zu halten und auszubauen gilt. Beim Klima solcher Gespräche spielt die Chemie zwischen den Gesprächspartnern eine Rolle, doch wirkt das Ambiente mit. Hoffen wir auf eine gründliche und zeitgemäße Renovierung. Damit künftige Besucher ohne mitleidige Hintergedanken sagen können: „Cool Castle“.

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