Berlin : Klingender Geburtstag

Zum Jubiläum lud der Tagesspiegel 700 Leser zum Konzertbesuch ein. Im Kammermusiksaal erklangen Werke von Schumann bis Schönberg

Elisabeth Binder

Sie sind die Super-VIPs bei einer Zeitung: Sie, die Leser. Leider musste das Los entscheiden, wer beim Jubiläumskonzert zum 60. Tagesspiegel-Geburtstag im Kammermusiksaal dabei sein durfte. Es konnten nur 700 sein. Sie alle immerhin lauschten auf diese Weise den von Spectrum Concerts dargebotenenWerken von Aaron Copland, Elliot Carter, Robert Helps, Robert Schumann und Arnold Schönberg, nicht allein durch den gemeinsamen Musikgenuss miteinander verbunden, sondern durch eine tägliche Gewohnheit, die wie ein unsichtbares Band verknüpft: die Lektüre dieser Zeitung. Das Los hatte netterweise an diesem Abend, der gleichzeitig die 18. Saison von Spectrum Concerts eröffnete, reichlich Sinn für Vielfalt bewiesen und Leser aus allen Epochen der Zeitung zusammengeführt.

„Eine sehr schöne Idee“, fand etwa Hannelore Borges, die seit ihrer Kindheit, also seit etwa 40 Jahren, diese Zeitung liest. „Mein erster Treffer“, freute sich Gisela Schröder, die erst seit einigen Monaten dabei ist und ihre Freundin aus Potsdam mitgebracht hatte. Auch Hans Wirth, seit sechs Jahren Leser, freute sich über sein erstes Losglück und das musikalische Geschenk zum Zeitungsgeburtstag. Verständnisvolles Lachen gab es für Joachim Meinhold, der als Sprecher der Geschäftsführung die Gäste begrüßte und einen ehemaligen Senatssprecher mit dem Satz zitierte: „Der Tagesspiegel ist der Tagesspiegel, alles andere ist alles andere.“ Er dankte den Lesern, dass sie auch bei gelegentlichen inhaltlichen Differenzen „wegen unserer Leistungen zu uns stehen“.

Seine Schätzung, dass die Dauer der täglichen Kommunikation mit der Zeitung bei etwa einer Stunde liege, stieß nicht überall auf Zustimmung: „Ich lese drei Stunden täglich“, sagte Gertraude Mamerob, die seit 30 Jahren dabei ist. „Und es macht mir großen Spaß.“ Kritisch, wie wir uns unsere Leser wünschen, fügte sie noch hinzu, dass ihr der Schumann im Programm sehr viel besser gefallen habe als die Kammersinfonie von Arnold Schönberg.

Letzteren hatte der für klassische Musik zuständige Redakteur Frederik Hanssen in seiner Einführung zu den aufgeführten Werken augenzwinkernd aber bereits als „Angstgegner aller Konzertbesucher“ bezeichnet: „Spannend, anregend, herausfordernd“.

Den Block mit Titelseiten aus sechzig Jahren gab es neben anderen Tagesspiegel-Souvenirs in der Pause zu kaufen, und viele Leser deckten sich auf diese Weise mit lehrreichem und geschichtsträchtigem Briefpapier ein.

Frank Dodge, der amerikanische Cellist, der diese anspruchsvollen Klassikkonzerte allein mit Hilfe von Sponsoren finanziert, blickte auf die Geschichte der Konzerte zurück, verband sie mit der ständigen Bereitschaft zu wachsen und sich Herausforderungen zu stellen. Unter großem Applaus gratulierte er zum Geburtstag und sagte: „Es hat uns riesige Freude gemacht, dass der Tagesspiegel sich dieses Konzert für die Feier ausgesucht hat.“

Eine Rezension des Konzerts lesen Sie auf Seite 30

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