Berlin : Klinik bereut den Griff zum Zigarettengeld

Das Deutsche Herzzentrum ließ sich von der Tabakindustrie fördern – das war ein Fehler, heißt es jetzt

Udo Badelt

Das Deutsche Herzzentrum Berlin bedauert die Annahme von Fördergeldern des Zigarrettenherstellers Philip Morris in den Jahren 2003 bis 2005. Damit revidiert es seine Haltung von Ende September. Damals sagte Eckart Fleck, Direktor der Klinik für Innere Medizin, er habe mit der Finanzierung durch einen Tabakkonzern kein Problem, solange die Ergebnisse nicht beeinflusst würden.

Das betroffene Projekt war in der Klinik für Innere Medizin, Abteilung Kardiologie, angesiedelt und befasste sich mit Methoden zur Früherkennung von Arteriosklerose. Wie eine Kleine Anfrage von Lisa Paus und Heidi Kosche (Bündnis 90/Grüne) im Abgeordnetenhaus ergab, wurde es von der Philip Morris Research Foundation mit 937 000 Euro gefördert. In einer aktuellen Stellungnahme des Herzzentrums heißt es jetzt: „Vor dem Hintergrund neuer Erkenntnisse über die Ziele der Förderung sehen wir die Annahme der Philip-Morris-Gelder als Fehler an.“ Nach Darstellung des Herzzentrums sei man zum Zeitpunkt der Antragsstellung davon ausgegangen, es mit einer unabhängigen Stiftung und nicht mit dem Mutterkonzern selbst zu tun zu haben. Erst seit kurzem sei klar, dass die Gelder direkt von der Industrie geflossen seien. „Das Herzzentrum hat einen Antrag bei der Philip Morris Research Foundation gestellt und geglaubt, es handele sich dabei nicht um Philip Morris. Was soll man dazu noch sagen?“, kommentiert Johannes Spatz vom Berliner „Forum Rauchfrei“, das 2000 von ihm und einem ehemaligen Mitarbeiter des Herzzentrums gegründet wurde. Die Initiative setzt sich dafür ein, dass ein rauchfreies Leben zur gesellschaftlichen Selbstverständlichkeit wird. Philip Morris wollte, so Spatz, mit seinem „External Research Program“, in dessen Rahmen auch das Arteriosklerose-Projekt des Herzzentrums gefördert wurde, sein Image verbessern und Kontakt zur Forschung halten, um bei neuen Ergebnissen zur Schädlichkeit des Passivrauchens schnell gewappnet zu sein. Das Programm, das weltweit 240 Institutionen und Einzelforscher unterstützte, wurde 2007 aufgrund öffentlicher Kritik eingestellt. Einzelne Langzeitprojekte würden aber, so vermutet Spatz, weiter gefördert.

Klinikdirektor Eckart Fleck sei, so das Herzzentrum, „auf einer längeren Auslandsreise“ und stehe für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung. Aufgrund seiner Abwesenheit habe das Haus auch noch nicht über die Frage diskutiert, ob man das Geld jetzt zurückzahlt, sagte Sprecherin Barbara Nickolaus. Das Herzzentrum ist eine Stiftung. Als unmittelbare Konsequenz aus dem Vorgang will man jetzt einem Kodex beitreten, der die Ablehnung von Drittmitteln der Tabakindustrie festschreibt. Udo Badelt

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