Berlin : Klinik Hellersdorf auf dem Operationstisch

Soll das Ost-Krankenhaus geschlossen werden? Die SPD spielt mit diesem Plan, die PDS ist strikt dagegen

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Von Ingo Bach

Die landeseigene Krankenhausgruppe Vivantes fürchtet, dass das Krankenhaus Hellersdorf geschlossen werden soll. Hintergrund sind die Beratungen des Senats zum Berliner Krankenhausplan, die auf der Senatsklausur eine wichtige Rolle spielten. Dabei wurde auch über die Zukunft des Hellersdorfer Klinikums debattiert. Das Krankenhaus gehört zu Vivantes und ist mit rund 780 Betten und 1400 Mitarbeitern eine der wenigen Kliniken in Berlins Süd-Osten. Die Berliner SPD will unter dem Druck der leeren Kassen die stark sanierungsbedürftige Klinik unter die Lupe nehmen. „Wir prüfen, ob die Sanierung tatsächlich 60 bis 80 Millionen Euro kosten muss", sagt Peter Stadtmüller, Sprecher der SPD-Fraktion. So müssten die Bereiche der Hochleistungsmedizin nicht überall in Berlin angeboten werden, man könne sich also entsprechende Angebote in Hellersdorf sparen. Dass die SPD dabei auch Pläne habe, das Krankenhaus zu zerschlagen, wollte Stadtmüller weder bestätigen noch dementieren. Seine Fraktion befinde sich noch in der Meinungsfindung. Das gelte auch für „Gedankenspiele“, Abteilungen aus Hellersdorf in umliegende Krankenhäuser, wie dem Unfallkrankenhaus Marzahn, zu verlagern und andere zu schließen.

Die PDS, die mit Heidi Knake-Werner auch die zuständige Gesundheitssenatorin stellt, steht dagegen hinter Hellersdorf. „Wir wollen die Klinik auf jeden Fall erhalten, denn der Berliner Süd-Osten ist mit Krankenhäusern unterversorgt", sagt Knake-Werners Sprecherin Roswitha Steinbrenner. Marzahn ist eine der PDS- Hochburgen.

In der Vivantes-Gruppe sieht man die Gefahr, dass sich die SPD durchsetzen könnte und das Krankenhaus nach dem Vorbild des Krankenhauses Moabit abwickelt. „Wir werden um Hellersdorf kämpfen", sagt Vivantes-Sprecherin Fina Geschonneck. Derzeit suche man nach Unterstützern, um einen Förderverein für das Klinikum zu gründen.

Eigentlich kann sich Vivantes auf eine Zusage des Senats berufen. Im Rahmen des Krankenhausplans für 1999 wurden dem Hellersdorfer Klinikum 240 Millionen Mark (120 Millionen Euro) Investitionsförderung bewilligt, die vom Land, vom Bund und von den Krankenkassen zu je einem Drittel getragen werden sollte. Doch Berlin ist pleite und verknüpfte deshalb die endgültige Entscheidung über die Fördermittel mit dem neuen Krankenhausplan, der Ende dieses Jahres vorliegen soll. Später wurde die nötige Investitionssumme auf 80 Millionen Euro reduziert. Jetzt strebt Vivantes-Chef Wolfgang Schäfer eine noch billigere Variante an. „Wir prüfen, wie wir das Investitionsvolumen unter 60 Millionen Euro senken können“, sagte Schäfer dem Tagesspiegel.

Für das Krankenhaus interessieren sich auch private Investoren. So hatte die Rhön-Klinik-AG angeboten, für 85 Millionen Euro ein neues Krankenhaus in Hellersdorf zu errichten. Auch der gesundheitspolitische Sprecher der CDU, Mario Czaja, will privates Kapital einsetzen, um Hellersdorf zu retten. „Diese Region darf nicht ohne Krankenhaus sein." Denkbar wäre ein Modell, nach dem ein Privatinvestor den Neubau übernimmt, das Haus dann aber gemeinsam mit Vivantes betreibt.

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