Kliniken : Ärzte wollen mehr Geld

Für die Hälfte aller Berliner Krankenhausmediziner starten Tarifverhandlungen. Auch die Gewerkschaft Verdi will mehr rausholen - allerdings für Pflegepersonal.

Anspruchsvoller Job. Ärzte in Krankenhäusern arbeiten im Schichtsystem, die Medizinergewerkschaft will nun an den größten Kliniken der Stadt vor allem höhere Nacht- und Feiertagszuschläge aushandeln.
Anspruchsvoller Job. Ärzte in Krankenhäusern arbeiten im Schichtsystem, die Medizinergewerkschaft will nun an den größten Kliniken...Foto: Kitty Kleist-Heinrich

In den Berliner Krankenhäusern stehen arbeitsintensive Wochen bevor – allerdings werden neben Schwestern, Pflegern und Ärzten vor allem Personalchefs und Finanzvorstände viel zu tun bekommen. Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund fordert für die meisten Klinikärzte der Stadt höhere Gehälter. An der Charité, der größten Universitätsklinik Europas, hatten sich der Krankenhausvorstand und die Verhandler der Gewerkschaft schon im November zu Sondierungen getroffen. In zwei Wochen wollen sich beide Seiten zum nächsten Gespräch treffen.

Doch nicht nur an der Charité mit ihren drei Standorten, sondern auch beim landeseigenen Krankenhauskonzern Vivantes mit seinen neun Häusern sowie den fünf Kliniken der Schwesternschaft des Deutschen Roten Kreuzes starten Tarifverhandlungen für die Mediziner. Insgesamt wird in dieser Tarifrunde für mehr als die Hälfte der 7700 Berliner Krankenhausärzte verhandelt. Berlin nimmt tarifpolitisch eine Sonderrolle ein. Der Marburger Bund orientiert sich dabei aber an den Tarifrunden in anderen Bundesländern. Für Universitätskliniken in anderen Städten und kommunale Krankenhäuser bundesweit hatten die Mediziner rund sechs Prozent mehr Lohn gefordert. Die Tarifgemeinschaft der Länder, die für die Hochschulen verhandelt, hatte sich mit den Ärzten im November auf 3,6 Prozent mehr Lohn geeignet. Zuvor war es zu Warnstreiks gekommen.

Während Klinikärzte am Anfang ihrer Laufbahn gerade 4000 Euro brutto im Monat bekommen, gibt es nach zehn Dienstjahren inklusive Nachtzuschlägen rund 6000 Euro. Allerdings sind für die Mediziner dauerhaft Überstunden und Nachtschichten die Regel. „Wir wollen nun vor allem für die Kollegen mehr, die es besonders hart trifft“, sagte Kilian Tegethoff, Chef des Marburger Bundes in Berlin. Dies bedeute etwa höhere Schichtzulagen. In den DRK-Kliniken gebe es außerdem mit 26 Tagen zu wenig Jahresurlaub.

Ob die Forderungen der Ärzte von Streiks begleitet werden, ist ungewiss. Vor allem die Charité steht unter großem Spardruck. Aufsichtsratsmitglied und Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) hatte von der verschuldeten Klinik für 2011 einen ausgeglichenen Haushalt verlangt. Der Charité-Vorstand zeigte sich zuversichtlich, dass er die schwarze Null wird erreichen können. Die Jahresbilanz soll in diesem Frühjahr veröffentlicht werden.

Krankenkassen wollen sparen

Nußbaum hatte die Ärztegewerkschaft Marburger Bund erst kürzlich bei einem Gespräch bei Vivantes vor hohen Lohnansprüchen gewarnt: „Wir werden nicht jede Forderung mitmachen“, hatte der Senator gesagt. Vivantes orientiert sich am Abschluss der kommunalen Arbeitgeber, dem bundesweit üblichen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst. Die Verhandlungen dazu werden vor allem von der größten Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes, Verdi, geführt. Verdi vertritt vor allem Schwestern, Pfleger und Techniker. Die Verdi-Tarifkommission hat sich für dieses Jahr noch nicht auf Forderungen geeinigt.

Verdi will in den kommenden Monaten an der Charité außerdem neue Regelungen für den Arbeits- und Gesundheitsschutz durchsetzen. Dafür wären de facto mehr Mitarbeiter in den einzelnen Schichten nötig. Viele Pflegekräfte hatten sich zuletzt über Personalmangel beschwert. Von Beschäftigten hieß es, in den kommenden Monaten könnte es zu Protestaktionen kommen.

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