Kliniken : FU kämpft weiter um Klinikum Steglitz

Das Kuratorium der Freien Universität diskutiert die Herauslösung des Klinikums Steglitz aus der Charité. Ein Verbleib an der Charité würde "Löcher in das Fächerspektrum" reißen.

Amory Burchard/Tilmann Warnecke

Steglitzer Klinikchefs haben am Freitag massive Vorwürfe gegen den Vorstand der Charité erhoben. „Der Campus Benjamin Franklin wird ausgedünnt, Leute werden abgezogen“, sagte Christoph Stein, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, im Kuratorium der Freien Universität, dem Aufsichtsrat der Hochschule. So würden ganze Abteilungen nach Mitte verlagert. „Der Standort Benjamin Franklin wird systematisch kaputtgemacht“, sagte Isabella Heuser, Direktorin der Klinik für Psychiatrie. Stein warf dem Vorstand vor, das Klinikum Steglitz zu schwächen, um es für eine Übergabe an den Krankenhauskonzern Vivantes reif zu machen. „Wir wollen aber an der FU bleiben, und wir wollen ein Uniklinikum bleiben“, rief Stein aus.

Zuvor hatte FU-Vizepräsidentin Monika Schäfer-Korting das Konzept zur Herauslösung des Klinikums Steglitz aus der Charité vorgestellt, das kürzlich auch Finanzsenator Ulrich Nußbaum präsentiert wurde. Dabei zeigte sich: Der FU ist es sehr ernst mit dem Plan, das Klinikum wieder als eigene Universitätsmedizin zu führen. Ein Verbleib an der Charité würde „Löcher in das Fächerspektrum“ reißen. Dagegen könnte ein eigenes FU-Klinikum mit einem Kooperationspartner in der Krankenversorgung wirtschaftlich arbeiten und die internationale Kooperationsfähigkeit der Eliteuni stärken. Um Schäfer-Kortings Präsentation kam es beinahe zu einem Eklat. Wissenschaftsstaatssekretär Hans-Gerhard Husung bezeichnete es als „inakzeptabel“ und „unfair“, die Steglitzer Probleme ohne den Charité-Vorstand zu diskutieren. Der habe die Verantwortung für die 2003 fusionierte Universitätsmedizin – und nicht das Kuratorium der FU. Das Kuratorium, das die Hilferufe der Steglitzer Direktoren sichtlich alarmiert aufnahm, beschloss, im September mit allen Beteiligten weiterzudiskutieren.

Kommt der private Klinikkonzern Helios als Kooperationspartner in Frage? Helios betreibt in Berlin das Klinikum Buch und das Behring-Krankenhaus in Zehlendorf. Im Februar hatte Helios-Geschäftsführer Francesco De Meo gesagt, das Franklin-Klinikum sei „interessant“ für seinen Konzern. Das dürfte sich nicht geändert haben, obwohl De Meo am Freitag sagte, die Frage stelle sich für Helios derzeit nicht. Es ist aber davon auszugehen, dass Helios mehr Macht in Steglitz anstreben würde als die FU es wünscht. Während Präsident Lenzen einen Investor zu 49 Prozent beteiligen möchte, würde Helios wohl auf einer Mehrheitsbeteiligung bestehen. Es sei bei Kliniken prinzipiell „entscheidend, die nötige Managementfreiheit zu haben“, sagte De Meo.

Jedenfalls macht Helios der Charité künftig bei der Medizinerausbildung Konkurrenz. Ab 2011 sollen angehende Ärzte der Uni Göttingen den klinischen Abschnitt ihres Studiums an den Berliner Helios-Kliniken absolvieren. Berlin sei bewusst gewählt worden, damit man künftig auch im akademischen Bereich unabhängig von der Charité agieren könne. Amory Burchard/Tilmann Warnecke

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