Kliniken : Vermisster 46-Jähriger aufgetaucht

Ein am Donnerstag im Jüdischen Krankenhaus in Mitte vermisst gemeldeter 46-Jähriger wurde wohlbehalten in seiner Wohnung angetroffen. Inzwischen hat eine heftige Diskussion um die Qualität der Klinikbetreuung eingesetzt.

Berlin - Der Fall eines am Freitag vermisst gemeldeten Patienten hat ein glimpfliches Ende genommen. Beamten trafen den 46-jährigen Mann wohlbehalten in dessen Wohnung in der Utrechter Straße in Wedding an, wie ein Polizeisprecher in Berlin sagte. Er war am Donnerstagabend stark alkoholisiert ins Jüdische Krankenhaus in Mitte eingeliefert worden. Gegen 22.00 Uhr meldete ihn eine Klinik-Mitarbeiterin als vermisst.

Laut Polizei machte der 46-Jährige bei seiner Aufnahme falsche Angaben zu seiner Adresse. Den Beamten gelang es jedoch, seine richtige Anschrift herauszufinden. In zwei Todesfällen und einem Vermisstenfall von Patienten ermittelt allerdings inzwischen die Staatsanwaltschaft. Ein 63-jähriger demenzkranker Patient war am Donnerstag sechs Tage nach seinem Verschwinden in einem Heizungsraum des Vivantes-Klinikums Neukölln tot aufgefunden worden.

79-Jähriger stirbt in Pflegeheim

Nur durch Zufall wurde am Montagabend ein vermisster 68-jähriger Rollstuhlfahrer gerettet, der rund 80 Stunden in einem defekten Fahrstuhl des zur Charité gehörenden Benjamin-Franklin-Klinikums ausharren musste. Außerdem starb laut Medienberichten in einem Pflegeheim in Friedrichshain am vergangenen Samstag ein 79-jähriger Rentner nach Verbrühungen durch ein zu heißes Bad.

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) forderte am Freitag ein neues Betreuungskonzept. «Man muss versuchen, so viel wie möglich ambulant zu behandeln, damit diese Menschen nicht so lange aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen werden», sagte Johanna Knüppel vom DBfK in einem dpa-Gespräch. Die Krankenhäuser in Deutschland seien noch zu wenig auf die besonderen Probleme von Verwirrten eingestellt, obwohl deren Zahl stetig zunehme. Zahlreiche Politiker und Verbände kritisierten zudem den Stellenabbau beim Pflegepersonal in den vergangenen Jahren.

Gesundheitsministerium: Einzelfall

Das Bundesgesundheitsministerium sprach nach dem Tod des 63-jährigen Patienten von einem erschreckenden Fall. Der Sprecher stufte ihn aber als Einzelfall ein. Das sah auch die Berliner Gesundheitsverwaltung so. Der Fall sei nicht auf Personalmangel zurückzuführen, sagte eine Sprecherin. Die Personalausstattung im Vivantes Klinikum sei höher als im Bundesdurchschnitt.

Die Vorkommnisse geben weiter Rätsel auf: So war der später tot gefundene 63 Jahre alte Mann in der Nacht zum Freitag vergangener Woche aus seinem Bett auf der Inneren Station verschwunden. Dutzende Polizisten und Klinikmitarbeiter suchten in der Stadt und auf dem Klinikgelände nach dem Demenzkranken. Was sie nicht ahnten: Der Mann lag nur wenige Meter von seinem Bett entfernt - zwei Etagen tiefer in einem unabgeschlossenen Technikraum, den er eigentlich von innen hätte öffnen können. Gegenüber Kritikern verweist die Klinikleitung darauf, dass es in dem Gebäude rund 7300 Zimmer gebe.

Charité: Fall nicht lückenlos aufgeklärt

Auch der Fall in der Charité konnte nach einer Überprüfung durch das Krankenhaus nicht lückenlos geklärt werden. Warum und wie der 68 Jahre alte geistig behinderte Mann in den Fahrstuhl kam und warum er erst nach rund 80 Stunden gefunden wurde, ist auch eine Woche nach seinem zwischenzeitlichen Verschwinden unklar. Der Mann könne sich nicht an den Vorfall erinnern, sagte der Ärztliche Direktor der Charité. Die Klinik spricht von einer Verkettung unglücklicher Zufälle. Die Polizei räumte ein, möglicherweise nicht gründlich genug gesucht zu haben.

Der Mann war am Nachmittag in die Augenklinik gebracht worden, wo er rund eineinhalb Stunden auf die Untersuchung warten musste. Dann machte die zuständige Ambulanzschwester Feierabend und ließ den behinderten Mann allein in seinem Rollstuhl im Warteraum sitzen. Der Arzt bemerkte zwar wenig später das Fehlen des Mannes. Nach der Suche durch zwei Mitarbeiter vermerkte er schlicht in seiner Akte: «Patient zur Untersuchung nicht anwesend.» (tso/dpa/ddp)

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