Kliniken : Warten in der Notaufnahme

An Ostern mussten zahlreiche Kranke in den Kliniken über Stunden warten. Patienten klagen über die reduzierte Besetzung in den Krankenhäusern.

Ferda Ataman

Es kamen immer mehr Patienten, es gab zu wenige Stühle im Wartesaal, und voran ging scheinbar auch nichts. Nach den ersten drei Stunden platzte Ina Krause der Kragen. Sie hatte ihre 88-jährige Mutter wegen eines entzündeten Beins am Osterwochenende in die Auguste-Viktoria-Klinik gebracht. „Wir kamen mit dem Krankenwagen und mussten rund fünf Stunden warten“, klagt die Beamtin. „Ich habe mir große Sorgen um meine Mutter gemacht.“

Doch das Personal habe ihr erklärt, dass über die Ostertage nur ein Internist im Dienst sei. Erst um sieben Uhr abends habe ihre demente Mutter ein Bett in der Station erhalten. Andere Patienten hätten sogar bis zu sieben Stunden auf ihre Untersuchung warten müssen. Viele Angehörige mussten stehen, weil alle Stühle besetzt waren.

Der Sprecher der Vivantes-Kliniken, zu denen das Schöneberger Viktoria-Krankenhaus gehört, konnte den konkreten Fall gestern nicht kommentieren. Grundsätzlich gelte: „In der Notaufnahme wird mit einem Verfahren zur Einstufung von Patienten gearbeitet“, sagt Uwe Dolderer. Schlimmere Fälle würden zuerst versorgt. Ostern habe man mit einer „normalen Feiertags- und Wochenendbesetzung“ gearbeitet, bei der weniger Mitarbeiter im Dienst sind als an Werktagen. „Die Höhe des Feiertagspersonals resultiert aus unseren bisherigen Erfahrungen“, fügt Dolderer hinzu.

Doch laut einer Bilanz der Kassenärztliche Vereinigung sind die Berliner an Feiertagen und Wochenenden nicht weniger oft krank als sonst. Der Ärztliche Bereitschaftsdienst etwa sei im vergangenen Jahr über 150 000 Mal im Einsatz gewesen – die meisten dringenden Hausbesuche davon seien in den Abend- und Nachtstunden sowie an Wochenenden und Feiertagen angefallen. Bei Vivantes heißt es dazu, dass der Patientenandrang eben nur schwer abschätzbar sei. Das Krankenhauspersonal wird laut Dolderer „bei Bedarf an die Erfordernisse angepasst“.

Doch davon hat Ina Krause nichts bemerkt. Als ihre Mutter nach Stunden endlich an die Reihe kam, entgegnete ihr ein schlecht gelaunter Arzt, sie möge doch Gesundheitsministerin Ulla Schmidt anrufen, wenn sie sich beschweren wolle.

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