Klinikführer : Premiere: Hygienedaten nun öffentlich

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Foto: promo
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Ein neues TV-Gerät soll angeschafft werden oder ein neues Auto. Dann gehen viele Menschen auf Nummer sicher. Vor dem Kauf werden Testtabellen studiert und Ausstattungsmerkmale verglichen. Schließlich will man nach der teuren Anschaffung nicht eine böse Überraschung erleben. Wie viel übler wäre eine böse Überraschung, wenn eine Operation im Krankenhaus schiefläuft. Auch dieses Risiko lässt sich zumindest reduzieren, wenn man sich vor einer Behandlung mit Vergleichstabellen beschäftigt oder Ärzteempfehlungen heranzieht. Der Klinikführer Berlin-Brandenburg 2013 bietet dafür das nötige Material.

Und darunter befindet sich erneut etwas bundesweit Einmaliges. Zum ersten Mal haben sich Krankenhäuser einer ganzen Region dem Vergleich von Daten der Klinikhygiene gestellt: Haben die Häuser das nötige Spezialpersonal, um Infektionen im Krankenhaus wirksam zu bekämpfen? Welche von ihnen nehmen besonders viele Patienten auf, die antibiotikaunempfindliche Krankheitserreger in sich tragen? Wo achtet das Personal auf eine wirksame Händedesinfektion, um die Ausbreitung gefährlicher Keime zu unterbinden?

Auf diese Fragen gibt der Klinikführer in einem umfangreichen Dossier die Antworten. Ergebnisse der Analyse präsentieren wir als Vorabdruck auf diesen beiden Seiten im Tagesspiegel.

Diese Veröffentlichung ist keine Selbstverständlichkeit. Die Daten, die im Rahmen des Beobachtungssystems für Krankenhausinfektionen (KISS) erhoben werden, waren bisher nur Einrichtungen zugänglich, die sich daran beteiligten – und das nur im Vergleich zum Bundesdurchschnitt, nicht zu namentlich bekannten anderen Häusern. Denn die Einrichtungen empfinden diese Zahlen als sehr sensibel. Manche fürchten, Patienten könnten eine andere Klinik wählen, wenn sie diese Daten vergleichen können.

Deshalb waren im Vorfeld der Veröffentlichung wochenlange intensive Diskussionen mit den Verantwortlichen nötig. Einerseits, um sie zu überzeugen, dass die Redaktion diese Daten seriös aufarbeiten wird; und andererseits auch davon, dass Kranke, die sich in ihre Hände begeben, ein Recht auf Transparenz haben. Einige Krankenhäuser blieben bei der Ablehnung, oft mit der Begründung, die Zahlen könnten falsch interpretiert werden, weil sie nur für interne Zwecke erhoben würden. Doch weit mehr als zwei Drittel der im Klinikführer gelisteten Berliner und Brandenburger Krankenhäuser, die Daten an das KISS liefern, gaben diese für eine Veröffentlichung frei. Ein starkes Zeichen für die Bereitschaft zur Transparenz in der Region. Ingo Bach

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