Berlin : Klinikkonzern Vivantes auf Wachstumskurs

Personalabbau soll aber weitergehen, sagt der Chef Tumor-Bestrahlungszentrum verzögert sich

Ingo Bach

Etwas weniger Personal, neue Geschäftsfelder, mehr Patienten – und ein aufgeschobenes Millionenprojekt. Erstmals präsentierte am Dienstagabend der neue Vivantes-Chef Joachim Bovelet seine Strategie zur Entwicklung des größten kommunalen Klinikbetreibers Deutschlands.

Der Personalabbau müsse weitergehen, sagte Bovelet am Dienstagabend bei den Berliner Wirtschaftsgesprächen – allerdings moderater als bisher. Seit seiner Gründung 2001 hat der aus neun ehemals städtischen Krankenhäusern bestehende Konzern 4400 Vollzeitstellen sozial verträglich gestrichen. Jetzt sind es noch 9100 Vollkräfte, weitere 330 sollen nach Bovelets Angaben bis 2011 verschwinden. Den Beschäftigten seien weitere Streichungen immer schwerer zu vermitteln, zumal dies mit einer wachsenden Arbeitsverdichtung einhergehe, sagte Bovelet. Man werde jede Station prüfen, ob tatsächlich dort noch Personal eingespart werden könne. Vivantes will darüber hinaus Mehrfachangebote konzentrieren – so benötige nicht jede Klinik eine eigene Urologie – und einzelne Stationen schließen. Auch Verwaltungsstellen einzelner Standorte würden weiter reduziert, sagte Bovelet.

Neben dem Kerngeschäft der stationären und ambulanten Krankenversorgung – im vergangenen Jahr therapierte das Unternehmen hier insgesamt 436 000 Kranke – will Vivantes weitere Betätigungsfelder ausbauen. So zum Beispiel in der ambulanten Rehabilitation. Bisher verfügt der Konzern über 220 Reha-Therapieplätze, etwa in der Orthopädie, Kardiologie und Neurologie. Diese Zahl will Bovelet deutlich ausbauen und dabei auch neue Krankheitsbilder mit aufnehmen, etwa in der Krebsnachbehandlung und der Lungenheilkunde. Genaue Zahlen könne er noch nicht nennen. In den Markt für stationäre Rehaangebote allerdings werde Vivantes nicht einsteigen.

Neue Patienten will Vivantes – gemeinsam mit der Charité – auch durch eine moderne Tumor-Bestrahlungsanlage mit Protonen und Schwerionen gewinnen. Allerdings werde das 140-Millionen-EuroProjekt in Wedding wohl später realisiert werden können als vorgesehen, sagte Bovelet. Hintergrund sind die sich hinziehenden Verhandlungen mit dem Hersteller der Bestrahlungsanlage. Derzeit ist Siemens der Wunschpartner des Konsortiums. Doch nun wolle man aus Kostengründen Angebote weiterer Anbieter einholen, sagt der Initiator des Projekts, der Charité-Radiologe Volker Budach. Dadurch werde man wohl ein halbes Jahr verlieren. „Der geplante Starttermin 2012 wird schwer zu halten sein“, sagt Budach. Ein problematisches Signal, findet in Deutschland doch ein Wettrennen von diversen geplanten Protonenzentren statt. Und da der Markt an geeigneten Patienten begrenzt ist, sind die späten Projekte die Verlierer. Es wäre fatal, sagt Bovelet, „wenn uns zum Beispiel Leipzig zuvorkommt“.

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