• Klinikkonzern Vivantes steuert auf große Verluste zu Jetzt drohen 30 Millionen Defizit Sanierung gefährdet

Berlin : Klinikkonzern Vivantes steuert auf große Verluste zu Jetzt drohen 30 Millionen Defizit Sanierung gefährdet

Ingo Bach

Das Sanierungskonzept des landeseigenen Krankenhauskonzerns Vivantes ist gefährdet. Das aus neun ehemals städtischen Kliniken bestehende Unternehmen wird nach Tagesspiegel-Informationen in diesem Jahr einen wesentlich größeren Verlust einfahren, als geplant. Statt der im eigenen Strategiekonzept anvisierten 12,5 Millionen Euro könnten am Ende des Jahres unter dem Strich mehr als 30 Millionen Euro Defizit stehen - das wäre eine schwere Belastung für den Konzern. Denn der sollte nach dem Willen des Senats im kommenden Jahr eigentlich eine schwarze Null schreiben und ab 2005 sogar Gewinne machen. Dieses Ziel gerät nun außer Sicht.

Die Zahlen basieren auf einer Zwischenrechnung des Konzerns für das laufende Jahr. Die Gründe für das unerwartet hohe Verlustrisiko sind vielfältig. So liegt zum Beispiel die Tariferhöhung für das Personal um 0,4 Prozentpunkte höher als geplant. Auch die Aufwendungen für den medizinischen Bedarf liegen weit über den Erwartungen. Und im Bereich der Rehabilitation und der Altenpflege blieb der Konzern bisher hinter den Plänen zurück. Summa summarum stünden so rund 19 Millionen Euro mehr Miese am Ende des Jahres in der Konzernbilanz. Vivantes-Sprecherin Fina Geschonneck weist diese Zahlen allerdings offiziell zurück. Man sei noch beim Nachrechnen. Geschonneck bestätigt aber, dass Vivantes das geplante Defizit in diesem Jahr verfehlen werde. Man halte jedoch am Sanierungskonzept fest.

Der gesundheitspolitischer Sprecher der FDPFraktion im Abgeordnetenhaus, Martin Matz, sieht allerdings noch weitere drohende Belastungen für das Unternehmen. So bringe der vom Senat nicht genehmigte Neubau des Klinikums Hellersdorf die Vivantesplanung durcheinander. Ebenso das jüngste Urteil des Europäischen Gerichtshofes zur Arbeitszeit eines Klinikarztes. Danach gilt der Bereitschaftsdienst nun als zu bezahlende Arbeitszeit, was die deutschen Kliniken zu Einstellungen zwingt. Vivantes plant stattdessen, auch im kommenden Jahr sein Personal zu reduzieren. Erstmals sollen nun auch massiv Arbeitsplätze für Mediziner abgebaut werden. 70 Arztstellen sollen nach Konzernangaben so im kommenden Jahr wegfallen, ebenso wie 150 Stellen beim so genannten Funktionspersonal, wie zum Beispiel den Pflegekräften.

Da Vivantes eine Beschäftigungssicherungsvereinbarung bis 2006 unterschrieben hat, kann der Konzern seinen Mitarbeitern aber nicht betriebsbedingt kündigen. Deshalb setzt man unter anderem auf Teilzeit und Abfindungsregelungen. 2002 hatte man sich von 860 Mitarbeitern getrennt, seit dem Start von Vivantes gingen so 1900 Arbeitsplätze verloren.

Noch vor drei Monaten hatte Vivantes-Chef Wolfgang Schäfer den Sanierungskurs vollmundig gelobt: Denn die jährlichen Defizite schrumpften, eine schwarze Null im nächsten Jahr sei möglich. „Wir haben den Weg der Konsolidierung erfolgreich fortgesetzt“, sagte Schäfer auf einer Bilanzpressekonferenz.

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