Berlin : Klinikpersonal wird für Gewalt gegen Frauen sensibilisiert

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Nachdem das Thema Gewalt gegen Frauen in der Vergangenheit zunehmend Beachtung bei Polizei und Justiz gefunden hatte, sollen jetzt auch die Mitarbeiter des Universitätsklinikums Benjamin Franklin sensibler auf dieses Phänomen reagieren. Mit dem Modellprojekt zur Intervention bei Gewalt gegen Frauen, SIGNAL, sollen misshandelte Frauen künftig nicht mehr nur medizinische Hilfe in dem Steglitzer Krankenhaus bekommen. "Unsere Pfleger und Ärzte werden darauf geschult, Gewalt als Ursache von Verletzungen zu erkennen und entsprechend darauf zu reagieren", sagte Gisela Guth, SIGNAL-Schulungsleiterin.

Fast jede Frau, die misshandelt wurde, suche früher oder später einen Arzt auf, hieß es. So seien Mediziner oder Pflegepersonal in Krankenhäusern oft die ersten Ansprechpartner. "Diese Fachleute können eine entscheidende Rolle bei der Aufdeckung von Gewalttaten spielen", sagte Gisela Guth. Deshalb sei es wichtig, dass diese Mitarbeiter gezielt handeln und die Frauen unterstützen könnten.

So haben bereits etwa 30 Mitarbeiter der Ersten-Hilfe-Station an der zweitägigen Schulung teilgenommen. Dabei wurde ihnen zunächst der Leitfaden vermittelt, mit dessen Hilfe sie Gewalttaten erkennen können. "Die Mitarbeiter müssen die Frauen offensiv nach Gewalteinwirkungen fragen und ihre Erzählungen dokumentieren", erklärte die Schulungsleiterin. Diese Dokumentationen könnten bei eventuell folgenden Gerichtsverhandlungen eine wertvolle Hilfe sein. Für die Soforthilfe sollen Pfleger und Ärzte Notrufnummern von Frauenhäusern und anderen Anlaufstellen bereithalten. Außerdem sind sie nach der Schulung in der Lage, das aktuelle Schutzbedürfnis der Patientinnen abzuklären und diese entsprechend zu beraten.

Das auf zwei Jahre angelegte Projekt wird über den gesamten Zeitraum wissenschaftlich begleitet. Diesen Teil des Projektes finanziert das Bundesfrauenministerium mit insgesamt 200 000 Mark. "Wenn dieses Projekt erfolgreich ist, werden wir auch in anderen Bundeländern die Bereitschaft finden, ähnliche Angebote an misshandelte Frauen zu machen", sagte Brigitte Unger-Soyka vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Weitere 85 000 Mark steuert der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) bei. "Durch die kontinuierliche Begleitung und Unterstützung des Projektes hoffen wir, unseren Handlungsrahmen erweitern zu können, vor allem im Rettungsdienst", sagte Ursula Helms, Geschäftsführerin des ASB-Berlin.

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