Berlin : Klinikum Benjamin Franklin: Unversöhnlich

Uwe Schlicht

Ohne Annäherung endete gestern ein einstündiges Gespräch zwischen dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und den Vertretern der Freien Universität über die Zukunft des Klinikums Benjamin Franklin. Wowereit habe betont, dass es sich bei der Entscheidung, nach dem Jahre 2005 das FU-Klinikum in ein städtisches Krankenhaus umzuwandeln, sowohl um eine Haushaltsfrage als auch um eine hochschulpolitische Entscheidung handele, von der er nicht abrücken wolle. Einzelheiten habe Wowereit nicht genannt, erklärte FU-Präsident Peter Gaehtgens nach dem Treffen im Roten Rathaus. Wowereit habe lediglich die Vorwürfe wiederholt, dass die Studienplatzkosten in der Medizin in Berlin besonders hoch seien.

Außerdem habe Wowereit auf das Gutachten des Wissenschaftsrats von 1997 verwiesen, in dem vor einer anhaltenden Unterfinanzierung der drei Universitätsklinika in Berlin gewarnt wurde: der Charité in Mitte, der Charité am Standort Wedding und des FU-Klinikums Benjamin Franklin. Um eine dauerhafte Unterfinanzierung abzuwenden, hatte der Wissenschaftsrat damals angeregt, ein Universitätsklinikum aufzugeben und ausdrücklich Steglitz genannt. Dass der Wissenschaftsrat heute die Leistungen des FU-Klinikums Benjamin Franklin wegen der beachtlichen Forschungsleistungen viel positiver beurteilt und vor einer Schließung warnt, sei von Wowereit nicht erwähnt worden, erklärte Gaehtgens.

Das einzige Zugeständnis, das Wowereit gemacht habe, sei die Bereitschaft, sich mit dem Vorsitzenden des Wissenschaftsrats, Professor Karl Max Einhäupl in Verbindung zu setzen. Aber auch bei diesem Kontakt gehe Wowereit davon aus, dass Einhäupls Rat nur auf der Basis des Koalitionsbeschlusses eingeholt werde, das FU-Klinikum zu schließen. Einhäupl hatte in einem Brief an Wowereit auf die positive Entwicklung des FU-Klinikums in den letzten Jahren hingewiesen und erklärt, falls die Medizinische Fakultät der FU aufgegeben werden sollte, würde der Verlust für die Wissenschaft weit über das Fach Medizin hinausreichen und die außeruniversitären Forschungseinrichtungen schwächen. Einhäupl hatte angeregt, in der Medizin erhebliche weitere Konzentrationen und Schwerpunktsetzungen für Forschung und Lehre einzuleiten, um die Schließung abzuwenden. Insgesamt müssten beide Universitäten, die Humboldt-Uni mit der Charité und die Freie Universität, in ihren Strukturplanungen deutlich machen, dass sie bereit seien, sich neuen Anforderungen zu stellen.

Gaehtgens erklärte hierzu, weder von der Humboldt-Universität noch von der Freien Universität sei in der jetzt so angespannten Situation zu erwarten, dass sie selbst Vorschläge unterbreiten werden. Wowereit solle die in den Hochschulverträgen angekündigte Kommission von auswärtigen Medizinexperten endlich berufen und deren Vorschläge für neue Strukturen abwarten. Im Übrigen kündigte Gaehtgens an, dass er sich mit Anwälten und Juraprofessoren berate, um die Klagemöglichkeiten gegen die Schließung zu prüfen.

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