Berlin : Klinikum Benjamin Franklin: Wowereit lädt zu Rundem Tisch

Ingo Bach

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit will direkt mit den Universitäten über die Zukunft des Uniklinikums Benjamin Franklin reden. Nach Tagesspiegel-Informationen hat er für den kommenden Montag Vertreter von Humboldt- und Freier Universität zu einem Gespräch eingeladen. Gleichzeitig lehnte es Wowereit ab, eine Expertenkommission einzusetzen, die über das Aus für das Benjamin Franklin entscheiden soll. Er wolle kein Gremium, dass diesen Beschluss noch einmal grundsätzlich prüft, sondern eines, dass die Vorgaben der Politik akzeptiere. Und das bedeutet hauptsächlich, dass jährlich 98 Millionen Euro aus der Hochschulmedizin gespart werden können.

Der Präsident der Freien Universität, Peter Gaehtgens, hatte diese Kommission vorgeschlagen. Sie solle fachkompetent und unabhängig nach Sparmöglichkeiten fahnden - "nicht Herr Wowereit", sagte der FU-Präsident dem Tagesspiegel. Wenn die Kommission zu dem Ergebnis komme, dass man das FU-Klinikum abwickeln müsse, "dann habe ich keine Argumente mehr dagegen". Doch die Politik sei nicht bereit, sich beraten zu lassen. Die FU lasse sich nicht durch die Forderungen von Koalitionspolitikern unter Druck setzen, selbst Alternativvorschläge zu machen, wo man sparen könne. Trotzdem nannte der FU-Präsident einige Möglichkeiten. So würden in beiden Unikliniken die staatlichen Zuschüsse für Forschung und Lehre zum Teil zweckfremd in die normale Krankenversorgung gesteckt. "Wenn man die Polikliniken aus den Unikliniken herauslöse, spart das im Wissenschaftshaushalt jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag", sagt Gaehtgens. Außerdem müssten alle Abteilungen daraufhin überprüft werden, ob dort tatsächlich Forschung stattfindet. Wo nicht, müsse man über die staatlichen Forschungszuschüsse nachdenken.

In der Wissenschaftsverwaltung denkt man als mögliche Alternativlösung auch darüber nach, die Medizinischen Fakultäten der beiden Universitäten zu einer Medizinischen Hochschule zusammenzufassen. Nachdem Anfang des Jahres schon die HU eine solche Idee abgelehnt hatte, erteilt nun auch die FU eine Absage. "Ich halte prinzipiell nichts von Monopolen", sagt der FU-Präsident. Erst die Konkurenz zwischen Charité und Benjamin Franklin hätten bei beiden die gegenwärtige wissenschaftliche Exzellenz hervorgebracht. "Wenn da so ein großer Pudding kommt, dann sinkt die Hochschulmedizin schnell in die Mittelmäßigkeit, weil es an Herausforderungen fehlt."

Indirekt spricht sich Gaehtgens für Einsparungen auch bei der Charité aus. "Wenn man die Leistungsfähigkeit unseres Klinikums sieht, das nur halb so groß ist, wie die Chartié, dann fragt man sich, was so ein großer Tanker eigentlich soll." Man sei durchaus bereit, über die Konzentration von doppelt vorhandenen Bereichen an den Kliniken zu reden. "Benjamin Franklin und Charité müssen sich spezialisieren, denn es ist unmöglich, alle Schwerpunkte der medizinischen Forschung in einer Uniklinik abzudecken." Auch wenn es der Präsident nicht so konkret sagen will, zeigt sich an der FU durchaus die Bereitschaft, zum Beispiel die Zahnklinik und die Rechtsmedizin an der Charité zu konzentrieren.

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