Berlin : Kloster in Not: Kardinal will helfen

Nach dem Betrugsfall bei den Christkönigschwestern in Lankwitz sind die Nachbarn entsetzt

Claudia Keller

Kardinal Georg Sterzinsky, der Erzbischof von Berlin, will den betrogenen Christkönigschwestern in Lankwitz helfen. „Die Christkönigschwestern haben viele Jahre verdienstvolle Arbeit geleistet“, sagte Sterzinsky am Freitag, „Es hat mich empört, als ich hörte, wie sie auf diese Weise hintergangen worden sind. Ich unterstütze die Schwestern, wo es möglich ist.“ Gestern hatte der Tagesspiegel berichtet, dass die katholischen Ordensfrauen von mutmaßlichen Betrügern um ihr Vermögen in Höhe von 2,3 Millionen Euro gebracht wurden. Am Mittwoch wurden die beiden Hauptverdächtigen von der Polizei festgenommen und umfangreiches Beweismaterial sichergestellt. Die Beschuldigten seien „kriminell auf hohem Niveau“ vorgegangen, sagte Peter Leonhardt, der als Insolvenzverwalter den Vermögensverlust der Nonnen untersucht hat. So hätten sie zum Beispiel Unternehmen, die ihnen selbst gehörten, mit Dienstleistungen für das Kloster beauftragt, „die sich als weit überteuert oder wertlos herausstellten“. Jetzt hofft Leonhardt, dass sich bei den Beschuldigten noch Vermögen aus der Straftat finden lässt, das den Nonnen zurückgegeben werden kann.

Auch die Nachbarn der Ordensfrauen in Alt-Lankwitz sind entsetzt über das traurige Schicksal der Schwestern. „Wo es etwas zu helfen gab, waren die Nonnen zur Stelle“, sagte Wolfgang Friese vom Arbeitskreis Historisches Lankwitz. „Es wäre furchtbar, wenn sie jetzt, da sie selbst alt sind, ihr Haus verlassen müssten.“ Die Christkönigschwestern betrieben vor dem Krieg ein Kinderheim und nach dem Krieg das Theodosius-Krankenheim. Direkt nach dem Krieg hätten sie viele Lankwitzer mit Wasser versorgt, weil sie sich vorausschauend als einzige eine Pumpe im Garten gebaut hatten, erzählte Wolfgang Friese. „Ich hätte nie gedacht, dass man einem Kloster so etwas antun könnte“, sagte Friedrich-Wilhelm Mertens. Seine Familie wohnt schon seit sechs Generationen an der Dorfaue in Lankwitz gegenüber dem Kloster. Seine Mutter sei bis zu ihrem Tod in dem zum Orden gehörenden Krankenheim von den Schwestern liebevoll gepflegt worden, sein Vater half den Nonnen nach dem Krieg, ihren großen Garten umzupflügen. Die Ordensfrauen seien, als sie noch jünger waren, sehr aufgeschlossen gewesen, hätten viele Besucher durch ihr Anwesen geführt. Mertens wundert sich, dass das Erzbistum die Schwestern nicht besser beraten und in wirtschaftlichen Dingen geholfen habe.

„Ich habe sofort eingegriffen und versucht, das Schlimmste zu verhindern“, sagte Kardinal Sterzinsky. Er habe seine Aufsichtspflicht über das Kloster regelmäßig wahrgenommen, beziehungsweise durch seine Mitarbeiter ausüben lassen. „Den Unregelmäßigkeiten im Umfeld der Christkönigschwestern konnte das Erzbistum allerdings nur dort begegnen, wo auch ein Zugriff kirchenrechtlich möglich war“, sagte Sterzinskys Sprecher Stefan Förner. Die Dominikushaus-GmbH, die die Nonnen gegründet haben, um das Kinder- und spätere Krankenheim betreiben zu können, sei dem unmittelbaren Zugriff des Erzbistums allerdings entzogen gewesen. „Das ist ja schrecklich“, sagte Jutta Koch, die Küsterin der evangelischen Dorfkirchengemeinde Lankwitz. Die Schwestern seien sehr zuvorkommend. Manchmal habe man gemeinsam Gottesdienste abgehalten, zuletzt vor einem Jahr während des Irak-Kriegs.

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