Berlin : Klosterstraße und Karree: Schon die zweite Währungsreform

tob

Wenn Michael Kroll zu seiner Arbeitsstätte geht, muss er sein Portemonnaie beim Betriebsschutz abgeben. Videokameras und dicke Gitter sichern seinen Arbeitsplatz. Was er herstellt, lagert in Tresoren zwei Stockwerke unter der Erde. Der 35-jährige Kroll ist Schichtleiter der Staatlichen Münze Berlin, die in einem 1934 errichteten Industriebau am Molkenmarkt, unweit der Klosterstraße, liegt. Aus vorgefertigten Ronden, kleinen ungeprägten Metallscheiben, werden dort täglich bis zu acht Millionen Euro-Münzen geprägt. 17 Milliarden, die Erstausstattung an Kleingeld für Deutschland, müssen bis Ende 2001 fertig sein.

Kroll wacht über zehn Arbeiter, die in der Werkshalle ein Dutzend Prägemaschinen bedienen. Grüne Ungetüme, die rattern wie große Nähmaschinen. An jeder fallen aus einem riesigen Trichter die Ronden in einen Trog. Über ein kleines Fließband werden sie in die Maschine eingefädelt. Rohre spucken rötliche Cent-Stücke aus und die schwer in der Hand liegenden Ein- und Zwei-Euro-Münzen. Michael Kroll klemmt die Uhrmacher-Lupe zwischen Wange und Augenbraue, prüft, ob Münzen Sprünge haben - ein Zeichen dafür, dass der Druckstempel gerissen ist. Ausschuss muss Kroll in einem Stahlschrank sammeln. Für Fehlprägungen wie ein versehentlich doppelt gestanztes Euro-Stück würden Sammler viel Geld bezahlen. Die Ronden sind abgezählt, keine soll wegkommen. "Dass ein Euro durch die Werkshalle kullert, passiert aber schon einmal", sagt Kroll. Seit 1981 arbeitet er in der Staatlichen Münze, "Facharbeiter für Umformtechnik" hat er dort gelernt. Der Euro ist für ihn schon die zweite Währungsunion. Er kann sich noch gut an die Wende erinnern, als über die Einführung der D-Mark debattiert wurde, die Münze am Molkenmarkt aber noch DDR-Aluminiummünzen prägte. Bald darauf wurden neue Maschinen angeschafft.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben