Berlin : Kluge Köpfe

Trotz Sparzwangs: Es gibt Hoffnung für die Unis Denn Erfolge in der Forschung bringen Fördermittel

Anja Kühne

Nirgendwo sonst in Deutschland gibt es so viele Studenten, Wissenschaftler, Hochschulen und Forschungsinstitute auf einem Fleck wie in Berlin. 130 000 Studierende sind an vier Universitäten, drei Kunsthochschulen, zehn Fachhochschulen und einem Dutzend privater Colleges eingeschrieben. Und weil Berlin auch noch mehr als 70 öffentlich finanzierte Forschungsinstitute hat, leben insgesamt mehr als 50 000 Beschäftigte in der Hauptstadt von dieser großen Denkfabrik.

In Berlin gibt es noch mehr Superlative der Wissenschaft. Die Charité, also die gemeinsame medizinische Fakultät von Freier Universität und Humboldt-Universität, ist mit über 8000 Studierenden und 15 000 Mitarbeitern das größte Universitätsklinikum Europas. Keine Region in Deutschland wirbt mehr Geld von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ein als Berlin – nicht einmal die Region München.

Viele Vertreter der Wirtschaft und viele Politiker sind der Meinung, dass die Wissenschaft eine der großen Chancen für Berlin ist. Für jeden Euro, den das Land für die Wissenschaft ausgibt, kommen drei Euro zurück, rechnen Wirtschaftsforscher vor. Trotzdem hat die finanzschwache Stadt hier in den letzten Jahren immer wieder Millionen gespart.

Im Zuge der ersten großen Sparwelle Mitte der neunziger Jahre mussten die Universitäten 500 Millionen Euro und die Hälfte der Professuren hergeben. 30 000 von 115 000 ausfinanzierten Studienplätzen gingen verloren. Eine zweite große Sparrunde gab es vor vier Jahren. Die drei Unis müssen bis 2009 eine Summe von 75 Millionen Euro erbringen. Das bedeutet, dass weitere 220 Professuren entfallen. Die Universitäten müssen Fächer abwickeln. Außerdem haben sie einen flächendeckenden Numerus clausus verhängt. Auch die Universitätsmedizin muss sparen: 98 Millionen Euro bis 2009.

Trotzdem gibt es Grund zur Hoffnung für die Universitäten. Da ist zum einen der Elitewettbewerb von Bund und Ländern, dessen zweiter Durchgang im Herbst entschieden wird. Die drei Universitäten wollen große Forschungsschwerpunkte über die Ziellinie bringen, sogenannte Cluster. Für jedes Cluster würden sie jährlich etwa 6,5 Millionen Euro bekommen. Die Freie Universität und die Humboldt-Universität können sogar hoffen, als ganze Einrichtung zur Eliteuni zu werden. Beide sind im Januar in die Endrunde des Wettbewerbs unter die ersten acht gekommen. Haben sie Erfolg, bekommen sie fünf Jahre lang jährlich rund 20 Millionen Euro. Vor allem können sie ihr Image verbessern und werden noch attraktiver für besonders leistungsstarke Studierende und Wissenschaftler aus der ganzen Welt.

Zum anderen werden die Unis vom Hochschulpakt profitieren, den Bund und Länder geschlossen haben. Für die Forschung bekommt Berlin bis 2010 zusätzlich 63 Millionen Euro, davon entfallen 49 Millionen auf die Unis. Wenn es um die Studienplätze geht, kann Berlin ebenfalls zuversichtlich sein. Aus dem Pakt gibt es dafür 22,6 Millionen Euro. Der Senat rechnet damit, dass der Abbau der Studienplätze trotz der Sparmaßnahmen so gebremst werden kann.

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