Kluger Würfel : Otto Bock Science Center eröffnet

Otto Bock Science Center: Von außen sieht das neue weiße Haus in der Ebertstraße lustig aus. Es ist einem Muskel nachgebildet. Richtig spannend wird es aber erst, wenn man drin ist. Dort können Menschen künftig begreifen, was sie bewegt. Und es kostet nicht mal Eintritt.

Elisabeth Binder
282647_0_6d743d62.jpg
Berlins weißes Haus. Von Donnerstag bis Sonntag ist das Wissenschaftszentrum zu besichtigen. Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinAm Dienstag wurde das Otto Bock Science Center eröffnet von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) und dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD).

Die Idee, in zentraler Lage einen Ort zu schaffen, der einer breiteren Bevölkerung das Thema Behinderung näher bringt, hatte Hans Georg Näder, der Chef des Unternehmens Otto Bock Health Care, das Produkte für Menschen mit Behinderungen in 140 Länder der Welt liefert und in 40 Ländern 5000 Menschen beschäftigt. Insgesamt 20 Millionen Euro investierte er am Potsdamer Platz, jeweils die Hälfte für Haus und Innenausstattung. Designer Sebastian Peichl lobte seine „enorme Offenheit für verrückte Ideen“. Er selbst habe zunächst verhalten reagiert auf die Herausforderung, das Thema Behinderung umzusetzen. Bis er erkannte, „dass ein Leben mit Behinderung kein behindertes Leben sein muss“.

In vielen interaktiven Spielen kann man in dem Haus erleben, wie sich mit moderner Medizintechnik Behinderungen ausgleichen lassen, kann Prothesen bedienen und die Reaktionsgeschwindigkeit testen. Experten geben Erläuterungen. Steinmeier erinnerte an die Anfänge des Unternehmens, das Otto Bock vor 90 Jahren in der Köpenicker Straße in Kreuzberg gegründet hat. Der Hauptsitz wurde zunächst nach Thüringen, später nach Duderstadt in Niedersachsen verlegt, aber mit dem Science Center schließt sich trotzdem ein Kreis. Das Haus sei auch eine Werbung für ein gleichberechtigtes Leben von Menschen mit Behinderungen, sagte Steinmeier. Besonders hob er das soziale Engagement Näders hervor: „Ohne Sie gäbe es den Behindertensport und die Paralympics nicht so sichtbar.“ Er erinnerte an gemeinsame Initiativen zugunsten von Landminenopfern in Kolumbien und bei der Erdbebenhilfe in China. Althaus dankte dem Mittelständler, dass er nach dem Fall der Mauer Arbeitsplätze in Thüringen geschaffen habe. Kunst und Funktionalität kämen in dem Haus wie in den Produkten des Unternehmens besonders gut zusammen.

Wowereit drückte den roten Knopf, der an der Außenfassade den sogenannten „Walker“ in Gang setzte. Lichtpunkte simulieren den Gang des Menschen. Innen kann man an einem großen Ei einstellen, ob der auf einem Monitor gezeigte Gang weiblich oder männlich, nervös oder traurig ist.

Nur ein gutes Jahr hat der Bau des Hauses gedauert. Hans Georg Näder erzählte, wie er in der letzten heißen Bauphase öfter mal gegenüber im Imbiss gesessen und beobachtet habe, wie die Menschen sich über das Haus unterhalten. Näder erwartet bis zu 100 000 Besucher jährlich und hofft auf viel Resonanz im Gästebuch. „Behinderung kann über Nacht kommen wie das Wetter“, sagt er. „Zum Beispiel durch Schlaganfall oder Autounfall.“ Auch die Tatsache, dass die Menschen immer älter werden, trage zur wachsenden Bedeutung der Medizintechnik bei. „Wir wollen den Menschen die Angst nehmen.“ Elisabeth Binder

Ebertstraße 15a, geöffnet jeweils Donnerstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr. Infos: www.sciencecenter-medizintechnik.de

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben