Berlin : Knall, Peng, Zisch - die Gedanken der Polizei beim Jahreswechsel (Kommentar)

Bernd Matthies

So geht das natürlich nicht. Kaum ist in Berlin die magische Datumsgrenze überschritten, passiert Folgendes: Eine runde Million Menschen, durchnässt, durchgefroren, tritt den Rückweg vom Brandenburger Tor an, um zu Hause Pfannkuchen und Sekt niederzumachen. Gleichzeitig kommt eine weitere halbe Million, die Pfannkuchen und Sekt zu Hause bereits niedergemacht hat, um mal zu sehen, was am Tor so läuft. Kann sich jemand ausmalen, was passiert, wenn diese Menschenmengen an den zentralen Kreuzungen und den Bahnhöfen aufeinander treffen?

Die Polizei kann. Und gruselt sich ein wenig. Was tun? Orientieren wir uns an den Menschen der Welt, die ja auch nicht alle auf einmal feiern, sondern schön in ihrer jeweiligen Zeitzone. Erst Mikronesien, dann Sibirien, Deutschland, und so weiter. Dieses Gleitzeit-Prinzip ließe sich schön auf Berlin übertragen und mit einer kleinen Zeitdehnung nutzbar machen: Silvester gegen 18 Uhr würde dann in Rahnsdorf bereits das neue Jahr ausgerufen und mit Knall, Peng und Zisch gebührend gefeiert, und die Bewohner des kleinen Köpenicker Ortsteils könnten sich dann in aller Ruhe zu Fuß auf den Weg in die City machen, begleitet von der wandernden Datumsgrenze: Oberschöneweide, Neukölln, Friedrichshain, Mitte ...

Gegen ein Uhr früh könnte dann der Kurfürstendamm erreicht sein; der magische Termin würde dann seine Reise nach Westen fortsetzen, wo er gegen sechs Uhr früh Wannsee und Kladow durchquerte. Den Leuten dort würde dieses Modell eine gewisse Kondition abverlangen, aber sie hätten so gewiss genügend Zeit, die Feiern in der Innenstadt zeitversetzt zu verlassen.

Einen Bonbon haben wir noch. Neujahr exakt um Mitternacht zu feiern - dieses Privileg bliebe den Gästen im Adlon vorbehalten. Es könnte sie dafür entschädigen, dass sie im Hotel ungefähr einen Tag lang von der Außenwelt abgeriegelt sind.

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