Berlin : Knapp am Weltruhm vorbei

Schloss Oranienburg sollte einst das Bernsteinzimmer erhalten – heute beherbergt es ein Kunstmuseum

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Um ein Haar wären die Oranienburger mit ihrem Schloss weltberühmt geworden. Bis heute würden sich Touristen in Schlangen vor dem Eingang drängeln, um sich am Glanz des Schatzes zu erfreuen. Denn ausgerechnet das einzigartige Bernsteinzimmer sollte einmal das Barockschloss am Rande Berlins schmücken. Um 1710 waren dort sogar schon die ersten Paneele aus Bernstein an den Wänden, nachdem sich der ursprünglich geplante Ort im Schloss Charlottenburg als ungeeignet erwiesen hatte. Aber dann kam alles anders: Nicht Oranienburg erhielt 1711 das „achte Weltwunder“, sondern das Berliner Stadtschloss.

Hier sah es 1716 der russische Zar Peter I., war begeistert und erhielt es als Geschenk von Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. Der weitere Verlauf der Geschichte ist bekannt. 1941 raubte die Wehrmacht das Zimmer aus dem Sommerpalais bei St. Petersburg und schaffte es nach Königsberg, wo sich die Spur trotz aller Suchaktionen verlor.

Auch wenn die Spekulation als gewagt erscheint, ist sie doch eine Überlegung wert: In Oranienburg hätte der Zar das Bernsteinzimmer nie entdeckt, es wäre in Deutschland geblieben und so möglicherweise nicht verbrannt.

So aber macht das Schloss heute mit anderen Besonderheiten auf sich aufmerksam. Die hängen vor allem an den Wänden des heutigen Schlossmuseums der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, auch wenn nur noch ganz wenige Gemälde aus der Blütezeit des Schlosses zwischen 1699 und 1710 stammen. Glanzpunkte sind die Gründungsallegorie Oranienburgs von Wilhelm van Honthorst sowie holländische und flämische Landschaftsgemälde.

Ab 1651 ließ der Große Kurfürst das Schloss für seine Gemahlin Louise Henriette bauen. Legendär ist die später verschwundene kurfürstliche Porzellankammer mit 5000 Schätzen. Dieses Kabinett begeisterte August den Starken aus Sachsen. 1717 schenkte er Friedrich Wilhelm I. 600 Reiter seiner Armee und erhielt dafür aus Preußen wertvolle Porzellane, darunter 18 monumentale Vasen aus Oranienburg. Zwei solcher „Dragonervasen" erinnern heute zusammen mit einer gefüllten Etagère an diese Begebenheit.

Wieder eine Spekulationsmöglichkeit: Was wäre wohl Oranienburg, gäbe es sowohl das Porzellankabinett als auch das Bernsteinzimmer noch. Doch die Stadt ist froh, ihr Schloss überhaupt wieder als ein solches präsentieren zu können. Ste.

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