Berlin : Kneipenräuber vor Gericht

Sieben junge Männer sitzen heute vor der Jugendstrafkammer

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Die Räuber kamen nach 23 Uhr, waren maskiert und schlugen beim geringsten Protest sofort rücksichtslos auf ihre Opfer ein. Der Spuk dauerte selten länger als vier Minuten. Dann verschwanden die Täter mit den Tageseinnahmen der Kneipen und dem Geld der Gäste. Innerhalb eines Vierteljahres sollen die sieben mutmaßlichen „EckkneipenRäuber“ mindestens 23 Lokale überfallen haben. Außerdem wirft ihnen die Staatsanwaltschaft vor, drei Lotto- und zwei Tabakläden ausgeraubt zu haben. Ab heute müssen sie sich vor einer Jugendstrafkammer des Berliner Landgerichts verantworten.

Die Angeklagten sind zwischen 17 und 19 Jahre alt. Die Schule oder Lehre haben die überwiegend türkischstämmigen Jugendlichen abgebrochen. Sie hatten wenig Geld und viel Zeit. Am 5. Oktober vergangenen Jahres begann laut Anklage ihre Raubserie, die sich vom Lokal „Zum Bären“ am Reichweindamm in Charlottenburg durch den Westteil der Stadt zog. Sie schlugen meist zu dritt oder zu viert zu und hinterließen so gut wie keine Spuren. Insgesamt sollen die Angeklagten lediglich rund 12000 Euro erbeutet und dabei mehr als zehn Personen durch Schläge und Tritte verletzt haben.

Zum Verhängnis wurde den Kneipenräubern ihre Angeberei. Anfang Januar hatten sie sich einen Jaguar XT beim Autoverleih gemietet und waren damit durch Neukölln gekurvt. Fahndern kam es verdächtig vor, dass vier junge Männer mit einem solch teuren Auto fuhren. Als wenig später einige der Insassen das Auto wechselten und in einen Opel Vectra stiegen, entschlossen sich die Ermittler, die Verdächtigen zu überprüfen. Sie fanden einen Rucksack mit einer Schreckschusswaffe, Sturmhauben und einen Schlagstock.

Der Fund konnte zwar zunächst keiner Straftat zugeordnet werden, doch das Landeskriminalamt blieb an den Verdächtigen dran. Umfangreiche Überwachungsmaßnahmen wurden eingeleitet. Nachdem einige der jungen Männer am Telefon von Waffen gesprochen und sich verabredet hatten, heftete sich ein mobiles Einsatzkommando (MEK) an ihre Fersen. Als vier der Angeklagten Ende Januar im Schneckentempo an Kneipen vorbeifuhren und sich schließlich vor einem Lokal am Halemweg zu einem erneuten Überfall rüsteten, schnappten die Fahnder zu. Sechs der Angeklagten sitzen seitdem in Untersuchungshaft. In ersten Vernehmungen sollen sich die Jugendlichen im Wesentlichen geständig gezeigt haben. Für den Prozess sind bislang neun Verhandlungstage bis zum 12. September terminiert. K.G.

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