Berlin : Knollennase voraus

In Brandenburg/Havel erinnert kaum etwas an den hier geborenen Vicco von Bülow, genannt Loriot. Das wird nun anders, ein Denkmal soll her.

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Wo Loriot herstammt. In Brandenburg/Havel erinnert vor dem Rathaus am Altstädtischen Markt im Moment nur eine Holzfigur an den Sohn und Ehrenbürger der Stadt. Foto: dpa/ZB
Wo Loriot herstammt. In Brandenburg/Havel erinnert vor dem Rathaus am Altstädtischen Markt im Moment nur eine Holzfigur an den...Foto: picture alliance / ZB

Brandenburg/Havel - Wenn am 7. April in Brandenburg an der Havel die große Ausstellung zu Ehren von Loriot alias Vicco von Bülow zu Ende geht, erinnert in dessen Geburtsstadt kaum noch etwas an einen der größten deutschen Humoristen der Nachkriegszeit. Lediglich zwei knollennasige Holzschnitzfiguren im Stil der loriotschen Zeichentrickfiguren fristen auf zwei Parkbänken ihr Dasein – und für die konnte sich von Bülow gar nicht so recht begeistern. Seine Geburtsstätte, eine Dienstwohnung in einem Flügel der ehemaligen Polizeischule Groß-Berlins, wurde abgerissen. Dafür kann sein Taufbecken bewundert werden. Rund anderthalb Jahre nach Loriots Tod nehmen allerdings Pläne für ein dauerhaftes Denkmal ihm zu Ehren Gestalt an. Mit Unterstützung der Familie von Bülow und der Stadt will der Kulturverein Brandenburg/Havel bis zur Bundesgartenschau 2015 im Havelland ein würdiges Gedenken schaffen.

Noch allerdings ist weder geklärt wo das Denkmal stehen noch welche Form es haben wird. „Im April werden wir bundesweit einen Ideenwettbewerb ausschreiben. Vorgaben gibt es keine. Denkbar sind eine Skulptur, eine Statue, eine Figurengruppe ebenso wie ein Brunnen“, meint Friedrich Christian Perker, stellvertretender Vorsitzender des Kulturvereins. Weil es noch keine Entwürfe gebe, ließen sich auch die Kosten kaum schätzen. „Wir gehen von einem hohen fünfstelligen Betrag aus“, so der zweite Vereinsvorsitzende. Sein Wunschort für das Denkmal sei der kleine Platz vor der St. Johanniskirche am Salzhofufer. „Im Sommer legen dort viele Fahrgastschiffe an“, erläutert Perker. Entschieden sei jedoch noch nichts. Die Erlöse aus Tombola und Spenden des diesjährigen brandenburgischen Balls der Wirtschaft – immerhin 27 000 Euro – sollen dem Projekt zugute kommen. Insgesamt 75 000 Euro hat der Verein damit bereits gesammelt, sagte Vereinschef Frank-Walter Steinmeier (SPD). Der Wunsch, Loriot ein bleibendes Denkmal zu schaffen, existiert laut Perker in Brandenburg schon länger. Immer wieder sei auch ein Brunnen im Gespräch gewesen. „Mir wäre ein Museum am liebsten. Etwas, was die Leute dazu bringt, von der Autobahn abzufahren und Brandenburg zu besuchen.“, gesteht Perker, der seit 1991 in der Havelstadt lebt und Vicco von Bülow auch persönlich kennengelernt hat. Der für seine humorvolle Zurschaustellung menschlicher Schwächen bekannte Karikaturist, Regisseur und Schauspieler verstarb am 22. August 2011 im Alter von 87 Jahren in Ammerland am Starnberger See.

Hinterlassen hat Vicco von Bülow nach Meinung von Frank-Walter Steinmeier „ein künstlerisches Erbe, das ihn schon zu Lebzeiten zur Legende werden ließ“. Der Fraktionschef der SPD im Bundestag hat nicht nur seinen Wahlkreis in der Havelstadt, sondern ist als Vorsitzender des Kulturvereins maßgeblich an der Errichtung des Denkmals beteiligt: „Wir haben Vicco von Bülow viel zu verdanken. Er hat den deutschen Nachkriegshumor geprägt wie kein Zweiter. Viele seiner Dialoge haben einen unvergesslichen Platz in unserem Alltag.“

Seiner Geburtsstadt Brandenburg blieb Vicco von Bülow Zeit seines Lebens sehr verbunden. 1991 legte er mit einem Benefizkonzert im Brandenburger Theater den Grundstein für die Vicco-von-Bülow-Stiftung. Sie fördert den Erhalt von Denkmälern und Kunstschätzen; außerdem werden bedürftige Einwohner der Stadt unterstützt. Für sein soziales und kulturelles Engagement erhielt Loriot 1993 die Ehrenbürgerwürde der Stadt. Zudem machten ihm die Einwohner 2009 die Restaurierung der Nordkapelle Sankt Gotthardt, dem Ort seiner Taufe, zum Geschenk. Offiziell besuchte Loriot die Stadt, in der er 1923 geboren wurde, nach dem Krieg erstmals 1985. Damals eröffnete er im Dom eine Ausstellung mit einigen seiner Zeichnungen und Bildern – und narrte Berichten zufolge die anwesenden Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit mit einer satirisch-sinnlosen Rede.

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