Berlin : Knuts Mutter war ein Zirkusstar

Der erste Eisbären-Nachwuchs im Zoo seit 33 Jahren gedeiht prächtig

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Im Zoo freut man sich – von 810 Gramm zu seiner Geburt am 5. Dezember hat es der kleine Eisbär Knut schon auf ganze vier Kilo gebracht. „Er nimmt gewaltig zu“, sagte gestern Zoomitarbeiter Ragnar Kühne. Besuchen kann man Knut aber noch nicht – der Stress wäre zu groß für das weiße Wollknäuel, dessen Zwillingsbruder vier Tage nach der Geburt starb. Jetzt lastet auf dem Kleinen die Hoffnung des Zoos – er ist der erste Eisbären-Nachwuchs seit 33 Jahren.

Dass seine 20-jährige Eisbärenmutter Tosca – Vater ist der 13-jährige Lars – ihren Zwillingswurf fünf Stunden nach der Geburt ablegte, ohne sich weiter um die Jungen zu kümmern, nannte Ragnar Kühne gestern nicht unüblich. Eisbären brauchen unbedingte Ruhe – die hatte die separierte Tosca zwar, aber trotzdem wohl keine Muttergefühle. „Verstoßen“ habe sie ihre Jungen in dem Sinne aber nicht, erklärt Kühne. Sie habe sie nur nicht mehr ordentlich versorgt und sei zurückgezogen in ihrem Separee geblieben, ohne sich draußen noch mal blicken zu lassen. Schon im Dezember 2005 ging es einmal schief mit ihrer Mutterschaft – nach nur 10 Tagen ist damals der Nachwuchs von Tosca gestorben.

Knuts Mutter war einst ein Star der Manege: Im 1991 aufgelösten Staatszirkus der DDR gehörte sie zur berühmten Eisbärengruppe von Ursula Böttcher, die als erste Frau überhaupt diese Raubtiere dressierte und auf USA-Tourneen als „Brilliant Baroness of the Bears“ gefeiert wurde.

Von seiner artistischen Mutter weiß Toscas Junge nichts. Umgeben von Plüschbären „nuckert“ Knut in seinem Kinderzimmer vor sich hin – das rhythmische Geräusch zeigt, dass er zufrieden ist. Das Eisbären- Kinderzimmer wurde extra für ihn gebaut – eine Box, etwa so groß wie ein Bett. In dem lässt ihn sein Ziehvater, Reviertierpfleger Thomas Dörflein, nicht aus den Augen. Seit Knuts Geburt schläft auch Dörflein im Zoo. Dort verbrachte der kleine Eisbär seine ersten 44 Lebenstage in einem körperwarmen Brutkasten. Alle zwei Stunden flößte ihm sein Pfleger je 20 Milligramm Welpenaufzuchtsnahrung ein. Inzwischen bekommt Knut davon sechs Mal täglich je 85 Milligramm und seit zwei Tagen einen Teelöffel Hühnerfleisch dazu. Sein erster Fangzahn ist schon durchgebrochen.

Er sieht bereits aus wie ein kleiner Bär, freut man sich im Zoo über Knuts Gedeihen, zu dem auch das wachsende Fell zählt. Auf allen Vieren stehen kann er zwar noch nicht, aber dafür robbt und kugelt er sich um so vergnügter herum. Wenn sein Ziehvater naht, hebt er den Kopf, er erkennt ihn an der Stimme und am Geruch. Riechen können Eisbären gleich nach der Geburt, wenn sie übrigens auch eher kleinen Meerschweinchen ähneln als einem künftigen Raubtier. Schreien wie ein Kind können sie auch – wenn Knut hungrig ist, hört man das sehr laut. Bis das Eisbärchen aus dem Gröbsten raus ist, hat Thomas Dörflein noch eine große Aufgabe vor sich. Als Einzelgänger muss man Eisbären zwar nicht ins Sozialleben einführen – aber mit vier Monaten muss Knut schwimmen lernen. hema

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