Berlin : Koalition der Bürokraten auf Entenjagd Senat erlässt Verordnung

Nur die FDP ist dagegen

Ulrich Zawatka-Gerlach

Alles lässt sich regeln – im Leben und im Tod. Wer mit Waffengewalt eine Ente über der Havel vom Himmel holt, muss künftig die „Verordnung über die Verwendung von Bleischrot bei der Jagdausübung“ beachten. Eine große Koalition aus CDU und Grünen, SPD und PDS hat das Regelwerk vor ein paar Tagen abgenickt. Nur der FDP-Abgeordnete Axel Hahn hat sich im Umweltausschuss des Abgeordnetenhauses vergeblich bemüht, die „Jagd auf Wasserfederwild an und über Gewässern“ zu deregulieren.

Hahn ist kein Jäger. Er ist auch kein Anhänger giftiger Streumunition. Aber er hat sich gedacht, dass ein hauptstädtischer Waidmann auch ohne amtliche Belehrung weiß, wie sich das Federvieh ökologisch unbedenklich in die ewigen Jagdgründe befördern lässt. Vorsichtshalber hat der FDP-Mann nachgefragt, wie viele wild fliegende Vögel über den Berliner Seen und Flüssen jedes Jahr abgeschossen werden. Etwa 20 Enten, wurde ihm mitgeteilt. Und zwar bleischrotfrei.

Trotzdem fühlte sich Berlin, dessen vogelreiche Jagdgründe schon bei den märkischen Kurfürsten äußerst beliebt waren, in der Verantwortung. Immerhin hat Bleischrot „sowohl negative direkte Auswirkungen auf das Wasserfederwild als auch indirekte Schäden bei den Beutegreifern des Wasserfederwildes“. Wenn der Jäger nicht trifft, wird das Blei, insbesondere in Flachwasserzonen, von Wasservögeln beim Gründeln aufgenommen. Sie können erkranken oder verenden.

Die neue Verordnung gilt deshalb nur an und über Gewässern. Über trockenem Land hingegen erlaubt das Bleischrot eine „tierschutzgerechtere Tötung“ als Stahlschrot mit seiner geringeren physischen Dichte und entsprechend schlechteren Trefferquoten. Außerdem ist Stahlschrot – so lehrt uns die Verordnung – anfällig für Ab- und Rückpraller, was die allgemeine Sicherheit beeinträchtigt. Zur „gefahrenlosen Schussabgabe“ in Berliner Ortsrandlagen oder stark frequentierten Jagdbezirken sei die Verwendung von Bleischrot mit seinen günstigen ballistischen Eigenschaften „zumeist die einzige Alternative“.

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