Berlin : Koalition in Berlin: Die Männerrunde spricht das Machtwort

Brigitte Grunert

Da reden sie nun mindestens so viel wie die Grünen von der Gleichstellung der Frauen, und wer bestimmt über die künftige politische Marschroute der Stadt? Ein reines Männer-Sextett, drei von der SPD, drei von der PDS. Das ist die kleine Spitzenrunde, die der großen Runde der Koalitionsunterhändler den Weg zum Koalitionsprogramm weist. Jetzt wird nämlich stringent verhandelt und nicht wie zwischen SPD, FDP und Grünen herumgeampelt. Nur wenn es ums Haushaltsgeld geht, wird Finanzsenatorin Christiane Krajewski (SPD) zur Sechs-Männer-Runde bestellt. Wie die tüchtige Hausfrau hält sie das Geld zusammen, das ihr dann doch wieder abgeluchst wird.

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Ted: PDS im Senat - Schlecht für Berlins Image? Also sechs energische Männer haben das Sagen, alle jung und zukunftsfroh genug. Keiner schleppt mehr als nötig historische Lasten hinter sich her. Der Älteste ist PDS-Senator in spe Gregor Gysi (53), der jüngste das PDS-Nachwuchstalent Stefan Liebich (28). Dazwischen stehen SPD-Chef Peter Strieder (49), der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (48), PDS-Fraktionschef Harald Wolf (45) und SPD-Fraktionschef Michael Müller (37). Alle kennen sich ganz gut aus dem Abgeordnetenhaus, sieht man vom Senior Gysi ab, aber der ist als Star bekannt.

Und wer gibt den Ton an? Förmlich ist bei der PDS Liebich als Parteichef die Nummer eins. Gysi redet gern und viel, nur nicht über Details, sondern mit großer taktischer Geste. Harald Wolf ist trocken, lässt sich aber als anerkannter Haushaltspolitiker kein X für ein U vormachen. Strieder ist Verhandlungsführer und boxt durch, Wowereit gleicht aus. Müller ist zurückhaltend, er ist erst ein halbes Jahr Fraktionschef, klinkt sich aber mit sanftem Nachdruck in die Wirtschaftspolitik ein; dazu hat auch Liebich als wirtschaftspolitischer Sprecher der PDS im Parlament etwas zu sagen.

So viel zum Rollenspiel. Die drei von der SPD "stehen wie eine Mauer", ein seit dem Frühjahr eingeübtes Team. Die SPD passt auf, dass nicht der Eindruck der großen Verbrüderung mit der PDS herrscht. Deshalb betont sie immerfort die Kompetenz, Konzentriertheit und Bestimmtheit ihrer drei Großen in den Verhandlungen.

Nach seiner Wahl zum PDS-Chef vor einer Woche ist Liebich mühelos in diese neue Rolle geschlüpft. "Er hat die Fähigkeit, schnell zu lernen, auch im Umgang mit den Medien", heißt es bei der PDS. Ja, er ist höflich und lacht gern. Deshalb soll er gar der Schwarm der Frauen sein. Aber das wird nicht Frau Krajewski testen; die ist zurückhaltend und verkündet immer freundlich, aber bestimmt, dass Schmalhans Küchenmeister ist. Peter Strieder hat sich problemlos auf den Kollegen Parteivorsitzenden eingestellt. Beide haben ein fröhliches Naturell, und Strieder nimmt jeden, wie er kommt.

Der Benjamin im Bunde sticht jugendlich von den anderen fünf Herren im kleinen dunklen Arbeitsanzug ab. Er unterwirft sich keinem Krawattenzwang, sondern gefällt sich im Rolli, eine glatte Gegenmode. Da ruht nun auch Harald Wolf, der frühere Milieu-Grüne, nicht, die kleine kulturelle Differenz zu betonen. Bisher sah man Wolf mit weißem Hemd und schwarzem Jackett. Zum Auftakt in kleiner Spitzenrunde erschien er ganz leger im Sweatshirt.

In der zweiten Reihe, also der großen Verhandlungsrunde sitzen viele Frauen; die PDS sogar streng "quotiert". Nur: Was hat die große Runde zu sagen? Immer, wenn sie sich nicht einig ist, erledigt die Männerrunde den Problemfall durch ein Machtwort, das sie der großen Runde zur Beglaubigung vorlegt. Man will am Ende nicht wieder im Dissens-Stau stehen wie vor der Ampel. Nur das ewige Männer-Pressefoto ist ein Problem. Das macht sich nicht gut für die linke Klientel. "Wir arbeiten daran", sagt einer von der PDS, was immer das heißt.

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