Berlin : Koalition in Berlin: Gabriele Schöttler: Die Last der doppelten Quote

Sigrid Kneist

Gestern überreichte Gabriele Schöttler noch verdienten Ehrenamtlichen eine Auszeichnung, heute übergibt sie das Amt der Senatorin für Soziales und Gesundheit an die PDS-Frau Heidi Knake-Werner. Beim Ressortpoker war dieser Bereich nicht ganz unerwartet an die PDS gegangen. Das lag auch in der Person Schöttlers begründet. Ihr Rückhalt in der Partei war längst nicht so groß wie der ihrer männlichen Senatskollegen Peter Strieder, Klaus Böger oder auch Ehrhart Körting, der erst mit dem rot-grünen Übergangssenat ins Amt des Innensenators kam. Schon früh stand fest, dass die SPD am ehesten auf ihre Sozial- und Gesundheitssenatorin verzichten würde. In den Augen vieler blieb sie bei ihrer politischen Arbeit immer zu blass. Da half es ihr nicht, dass in ihre Amtszeit die große Krankenhausreform mit der Gründung der Klinikgesellschaft Vivantes fiel, die ihre Vorgänger nicht geschafft hatten.

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Kurzporträt: Der neue Senat Von Beginn ihrer Amtszeit hing Schöttler, von Hause aus Krankenschwester und Diplom-Ökonomin, das Attribut der Doppel-Quoten-Frau an: Ost und Frau. Als solche war die damals recht unbekannte Politikerin Ende 1998 nach dem Weggang Christine Bergmanns in die Bundesregierung in den Senat gekommen, zunächst als Arbeits- und Frauensenatorin. Als links galt sie auch noch. Das Image blieb bis zum Schluss an ihr haften, sie schaffte es nicht, sich davon zu lösen. Wenn von einem möglichen Verbleib im Senat die Rede war, geschah dies immer mit dem Verweis auf die Doppelquote. Bei der Wiederauflage der Großen Koalition 1999 verschaffte sie ihr auch den erneuten Platz in den Senat, sogar mit dem um Gesundheit und Soziales vergrößerten Ressort. Diesmal aber verzichtete Klaus Wowereit ganz auf diese Quote.

Aus der vorderen Reihe der Politik wird sich die 48-Jährige zunächst zurückziehen. Denn bei der Wahl im September verpasste sie trotz des ersten Listenplatzes in Mitte den Wiedereinzug in das Abgeordnetenhaus. Wie sie sich künftig politisch einmischen will, weiß Schöttler noch nicht. Auch wenn sie von sich sagt, es "tief verinnerlicht" zu haben, dass jedes politische Wahlamt zeitlich begrenzt ist, klingt dennoch ein wenig Wehmut mit.

Gleichwohl betrachtet sie ihre politische Karriere als Privileg. "Noch vor zehn Jahren wäre dieses jenseits jeglicher Vorstellungskraft gewesen", sagt Schöttler. Jetzt will sie erst einmal sondieren, wie ihre berufliche Planung aussieht. Ihr böten sich nun viele Möglichkeiten.

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