Berlin : Koalition in Berlin: Heidi Knake-Werner: Wegen der Berufsverbote ausgetreten

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Heidi Knake-Werner kennt beide Seiten der rot-roten Koalition. Die neue Gesundheits- und Sozialsenatorin ist die einzige West-Frau der PDS im neuen Senat, doch auch in der SPD hat die 58-jährige promovierte Sozialwissenschaftlerin ihre Erfahrungen gesammelt. Allerdings waren es nicht immer gute.

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Kurzporträt: Der neue Senat 1981 kehrte Heidi Knake-Werner den Sozialdemokraten den Rücken. Vier Jahre lang hatte sie im niedersächsichen Oldenburg als stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat gesessen. Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung über die Berufsverbote für Mitglieder radikaler Parteien trat sie aus der Partei aus und wechselte demonstrativ in die DKP. Ihr ehemaliger politischer Weggefährte Wolfgang Wulf, heute SPD-Unterbezirksvorsitzender und Mitglied des niedersächsischen Landtages, erinnert sich: "Heidi Knake-Werner engagierte sich damals sehr gegen die Berufsverbote und organisierte zahlreiche Veranstaltungen, an denen auch DKP-Mitglieder teilnahmen." Eine Zumutung für den rechten SPD-Flügel, der SPD-Vorstand leitet ein Parteiordnungsverfahren gegen die renitente Linke ein. "Doch zum Parteiausschluss ist es nicht gekommen", erzählt Wulf, "sie hat die SPD zuvor verlassen".

Heidi Knake-Werner wechselte in die DKP und zog nach Bremen. Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit an den Universitäten Oldenburg und Bremen wurde sie als hauptamtliche Mitarbeiterin des DKP-Bezirksvorstands zuständig für Landespolitik und Öffentlichkeitsarbeit und engagierte sich besonders in der Friedensarbeit. Der Bremer Friedensaktivist und DKP-Sympatisant Ernst Busche erzählt von ihrer Arbeit für das "Bremer Friedensforum": "Sie organisierte gemeinsame Veranstaltungen von DKP-Mitgliedern, SPD-Abgeordneten, Grünen-Politikern, aber auch christlichen Gruppen". Auch an gemeinsame Ostermärsche und Sitzblockaden vor der US-Kaserne in der Garlstedter Heide bei Bremen entsinnt sich Busche.

Die Ablösung von der DKP begann 1987 in Moskau. Die Partei hatte sie für ein Jahr zum "Grundlagenstudium" an die Akademie der KPdSU geschickt. Dort erlebte sie die Auseinandersetzung mit Gorbatschows Glasnost und der öffentlichen Diskussion der stalinistischen Verfolgung als "echten Schlag ins Kontor". 1990 verließ sie die DKP und trat in die SED-Nachfolgepartei PDS ein, für die sie seit 1994 in den Bundestag einzog. Eine scharfe biografische Linkskurve führt sie jetzt als Mitglied des rot-roten Senats zurück an die Seite der SPD.

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