Berlin : Koalition will Bedingungen für Gymnasien und Realschulen verschärfen

sve

Die Quälerei hat ein Ende: Heute gibt es Zeugnisse, und die Winterferien können beginnen (siehe auch grauen Kasten). Groß wird die Freude vor allem bei den Fünft- und Siebtklässlern sein, die das Probehalbjahr bestanden haben und damit auf ihrem Gymnasium oder ihrer Realschule bleiben dürfen. Die Koalition plant allerdings eine Verschärfung der Probezeitregelung, die allgemein als extrem großzügig gilt, weil drei Fünfen "erlaubt" sind.

"Man gaukelt den Kindern vor, dass sie es schaffen können. Später bleiben sie dann doch auf der Strecke", warnt etwa Wolfgang Harnischfeger, der als Schulleiter auch Mitglied der SPD-Bildungskommission war. Die Erfahrung zeige, dass es sinnvoll sei, den Kindern rechtzeitig "reinen Wein" einzuschenken, damit sie nicht ein weiteres Halbjahr auf der falschen Schule verbringen.

Davon ist auch Stefan Schlede, schulpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion überzeugt. Der ehemalige Schulleiter Schlede hält es für "menschengerechter", wenn die Kinder rechtzeitig auf die ihnen gemäße Schule kommen. Andernfalls gingen sie aus Angst vor schulischen Misserfolgen "jeden Tag in Deckung". Dies sei gerade in der Pubertät schwer zu verkraften. Er fordert deshalb, dass beim Probehalbjahr die Versetzungsregelungen gelten, wonach nur zwei Fünfen sein dürfen. Diese Forderung ist auch in der Koalitionsvereinbarung im Abschnitt "Qualitätssicherung" enthalten.

In der SPD ist dieser Standpunkt allerdings noch umstritten. Ungeachtet der Koalitionsvereinbarung meint die schulpolitische Fraktionssprecherin der Sozialdemokraten, Eveline Neumann, man solle "möglichst vielen Kindern viel Bildung geben, anstatt möglichst viele auszusortieren". Dagegen sähe Jobst Werner, Vorsitzender des Philologenverbands und Leiter des Steglitzer Paulsen-Gymnasiums, in einer Verschärfung der jetzigen Regelung einen "erheblichen Fortschritt". Auch an seiner Schule sind es nur acht von 84 Schülern, die dieses Jahr an der Halbjahreshürde scheiterten. Erfahrungsgemäß blieben dann nochmals viele Ende der siebten Klasse zurück, was für die Kinder viel härter sei, so Werner.

Die Landesschulbeiratsvorsitzende Elisabeth Willkomm gibt ihm Recht, fordert aber, dass sich die Lehrer von Grund- und Oberschulen im Interesse der Kinder stärker austauschen und "verzahnen" müssten.

Jährlich scheitern rund zehn Prozent an der Halbjahrshürde. Im Schuljahr 1997/98 waren dies vor allem 644 Kinder, die trotz Realschulempfehlung auf das Gymnasium und 422 Schüler, die trotz Hauptschulempfehlung auf die Realschule geschickt worden waren. Allerdings blieben auch 364 Realschüler und 255 Gymnasiasten auf der Strecke, obwohl sie die "richtige" Empfehlung für ihren Schultyp hatten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben