Berlin : Koch des Jahres: Eng, lustig, sommerlich leicht

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Nun ist es amtlich, also muss gefeiert werden. Mathias Buchholz ist der deutsche "Koch des Jahres" im Gourmet-Reiseführer Gault-Millau - und wo ließe es sich besser feiern als in seinem Restaurant, dem "First Floor" im Palace-Hotel? Gastgeber Karl Stiehle hatte wieder einmal mit dem bekannten Phänomen zu kämpfen, dass die ursprünglich auf 50 Gäste konzipierte Einladungsliste plötzlich 90 Namen trug, doch das tat weder der Küchenqualität noch der Stimmung Abbruch. Werden halt noch ein paar Stühle dazu gestellt, nicht wahr?

Bemerkenswert, dass der Küchenchef das hohe Lob nicht zum Anlass nahm, wie üblich Gänseleber und Hummer und Kaviar aufzutischen, sondern einen programmatischen Kontrapunkt zur verblassenden Luxusküche des 20. Jahrhunderts setzte. Es gab also Rotbarbe mit Fenchelschaum und Safran, Steinbutt auf Romanescopüree mit Kalbskopfvinaigrette, Spiegelei mit Spinat und weißen Trüffeln, zweierlei Lamm auf Bohnenmelange sowie Holundersüppchen mit Grießflammeri und Vanilleeis, ein fast sommerlich leichtes Menü, das den Gästen Zeit und Lust für animierte Gespräche ließ und doch in keiner Sekunde etwas vermissen ließ. Starke Argumente für den Gault-Millau, der so ausführlich und wortreich wie noch nie berichtet, dabei aber immerhin zu Wertungen kommt, die insgesamt einleuchtender sind als die Sterne des Michelin.

Grund zur Freude für die Herausgeber Johannes Heyne und Manfred Kohnke, Grund zur Freude auch für die anderen deutschen Köche und Gastronomen, die im neuen Guide neben Buchholz geehrt werden. Eine weitere Urkunde ging nach Berlin, und zwar an Stefan Weber, der für sein Wirken in der Schöneberger Bar "Green Door" zum "Barkeeper des Jahres" ernannt wurde. "Sommelierin des Jahres" wurde die Kölner Weinspezialistin Christina Fischer, die mit ihren Ratschlägen im TV-"Kochduell" über ihr Restaurant hinaus bekannt wurde. Klaus Böger wurde zwar nicht Senator des Jahres, repräsentierte aber gut gelaunt den Senat, nachdem sich Innensenator Eckart Werthebach bereits nach dem Aperitif zu dringenden Dienstgeschäften verabschiedet hatte. Moment: Was hatte Rudolf Scharping nebst einigen hochrangigen Generälen beim Gault-Millau zu suchen? Ach so: Die Herren tagten einen Salon weiter, rein esstechnisch ein Stück tiefer angesiedelt und eher arbeitsmäßig. Dabei hätte sich im wohl gefüllten Restaurant garantiert ein Platz für den Verteidigungsminister gefunden. Und ein Menü ganz sicher auch: 90 oder 91 Portionen, das macht für einen Koch des Jahres keinen Unterschied.

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