Kochkurse für Kinder : Lirum, larum, Löffelstiel

13.01.2012 00:00 Uhrvon
Im Zeichen der Mütze. Bei Kochkursen können Kinder nicht nur lernen, leckere Gerichte zuzubereiten, sondern sie erwerben auch Kenntnisse über gesunde Ernährung. Und es es ist ja auch schon lohnend, wenn man sich beim Kartoffelschälen nicht jedesmal blutige Finger holt. Foto: Mike Wolff
Im Zeichen der Mütze. Bei Kochkursen können Kinder nicht nur lernen, leckere Gerichte zuzubereiten, sondern sie erwerben auch Kenntnisse über gesunde Ernährung. Und es es ist ja...

Kinderkochkurse werden immer beliebter. Am Wochenende darf im FEZ sogar die ganze Familie brutzeln. Eine Auswahl.

Mit seinem Rucksack sieht Alexander Sommerfeldt aus wie ein Wanderer. Doch statt eines Schlafsacks und frischer Socken packt er Messer, Schürze, Brettchen und Nudelmaschine aus. Mit Rad, Bus oder Bahn fährt er zu Berlinern nach Hause, um deren Kindern Kochen beizubringen. Dann wird Gemüse geschnippelt, Nudelteig ausgerollt, Korn gemahlen. Wenn er nicht in Wohnungen, Schulen und auf Veranstaltungen kocht, dann im eigenen Kochstudio in der Schönhauser Allee – immer mit Kindern und Jugendlichen. Denen will Sommerfeldt Spaß am Kochen vermitteln, sie mit Lebensmitteln vertraut machen.

Immer mehr Kochkurse in Berlin werden speziell für Kinder angeboten.

An diesem Wochenende steht Leander Roerdink-Veldboom, Chefkoch des Hotels Hilton, mit anderen Berliner Köchen im FEZ in der Wuhlheide am Herd. Beim Familienkochen im FEZ werden gemeinsam mit Kindern und Eltern Drei-Gänge-Menüs zubereitet. Die Lebensmittel müssen die Kinder zuvor in einem extra errichteten Supermarkt einkaufen. Zur Unterhaltung gibt es Spiele und Artistik. Wer nicht mitkochen will, kann Käse und Gemüse aus der Region testen oder selbst Konfekt und Müsliriegel herstellen. „Wir zeigen den Kindern, wie sie mit wenigen Handgriffen und Zutaten leckeres Essen zubereiten. Denn Gesundes kann auch schmecken“, sagt Katrin Thurow vom FEZ. Viele Kinder wollten kochen, wüssten oft aber nicht, wie es gehe. Über das gemeinsame Erlebnis hinaus solle das Ausprobierte dauerhaft in den Köpfen bleiben, sagt Thurow.

Roerdink-Veldboom hat die Speisekarte fürs Wochenende schon erstellt: weiße Tomatenschaumsuppe als Vorspeise, panierte Hähnchensticks mit Kartoffel-Rucola-Salat als Hauptgang, hinterher mit Früchten belegte Pfannkuchen. Auch im Hilton gibt er mehrmals jährlich Kochkurse für Kinder – und macht erstaunliche Erfahrungen: „Manche kennen Salat nur vom Hamburger und erkennen frische Gurke nicht mehr am Geschmack.“ Wenn er im Supermarkt in Einkaufswagen schaue, lägen da oft nur Weißmehlprodukte, Nutellagläser und große Flaschen Softdrinks drin, sagt Roerdink-Veldboom. In Zeiten, wo Essen und Kochen zu Hause nicht mehr vorgelebt würden, will er über die Kinder das Einkaufsverhalten der Eltern ändern.

„Es gibt oft keine Ernährungsverantwortung bei den Eltern“, sagt auch die Soziologin und Ernährungsexpertin Eva Barlösius. Vor allem in bildungsfernen Haushalten werde wenig selbst gekocht. Ihre Erfahrung ist aber auch, dass berufstätige Frauen die Hauptmahlzeit nur vom Mittag auf den Abend verschieben. Kinderkochkurse seien wichtig, um Grundfertigkeiten und Wissen über gesunde Ernährung zu vermitteln. Kinder wüssten genau, was gesund sei, sagt Barlösius. Nur schmecke das Ungesunde ihnen oft besser.

Kinder können den Eltern in der Küche eine echte Hilfe sein – davon ist Kinderkoch Sommerfeldt überzeugt. „Auch Vierjährige können schnippeln und rühren. Man sollte es ihnen nur zutrauen.“ Bei ihm müssen sie auch mal Fisch ausnehmen und zubereiten, auch wenn sie Fisch eigentlich nicht mögen. Denn im Wikinger-Kochkurs, einem Themenkurs über das Leben auf dem Meer, gebe es nun mal nichts anderes. Sommerfeldt, der auch schauspielert, will die Kinder über Fantasiegeschichten begeistern – und das klappt. Ein Junge war so eifrig dabei, dass er sein frisch gemahlenes Mehl aufgegessen habe, bevor es verarbeitet werden konnte. Und das glibbrige Eigelb würde stets lange durch die Kinderhände wandern. Erst sei es eklig, dann faszinierend.

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