Berlin : Köhler fängt da an, wo Rau aufhörte

Bei seinem Antrittsbesuch im Roten Rathaus macht sich der Bundespräsident für die Hauptstadt stark

Ulrich Zawatka-Gerlach

Kein Zweifel: Horst Köhler mag Berlin und will der Stadt helfen, soweit es das Amt des Bundespräsidenten zulässt. Bei seinem Antrittsbesuch im Roten Rathaus knüpfte er am Dienstag an das Engagement seines Vorgängers Johannes Rau (SPD) für Berlin an, das dieser am Ende seiner Amtszeit zeigte. So sagte Köhler dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zu, 2005 die Schirmherrschaft über den Weltkongress von „Metropolis“ – einem Netzwerk von 80 Millionen- und Hauptstädten – zu übernehmen. „Das tue ich gern.“ Mit Wowereit hat er noch eine Idee besprochen: „Wie wäre es, eine Ausstellung von Kunstwerken aus den Berliner Museen zu machen, die so viele Zuschauer findet wie das MoMA?“

Im Roten Rathaus sprach Köhler begeistert über Berlin, als er sich ins Goldene Buch eintrug. Er wolle dazu beitragen, „dass intensiv darüber nachgedacht wird, wie Berlin mit seinen schweren finanziellen und wirtschaftlichen Problemen geholfen werden kann.“ Auch mit den Chefs der Föderalismuskommission aus Bund und Ländern, Franz Müntefering und Edmund Stoiber, werde er über die Rolle der Hauptstadt diskutieren. Seit drei Monaten wohnt Köhler mit seiner Frau Eva Luise in Berlin. Die Kisten seien inzwischen fast alle ausgepackt und auch nach der Wahl zum Bundespräsidenten sei er ab und zu gern mit dem Bus durch die Stadt gefahren. Seitdem er im Amt sei, gab Köhler freimütig zu, werde er immerzu mit dem Auto transportiert und habe seine Fahrer gebeten, nicht so schnell zu fahren. „Damit ich wenigstens was sehe.“

Noch grübelt der Präsident darüber nach, wie dieses Manko auszugleichen sei. Zum Beispiel beim Joggen. Und im nächsten Jahr will er eine Rundreise durch alle zwölf Berliner Bezirke beginnen. Die Stadt sei „unglaublich spannend“ und könne sich ohne weiteres mit New York, Washington oder London vergleichen. Trotzdem musste der Bundespräsident bei seinem Antrittsbesuch lernen, dass es nicht immer leicht ist, in Berlin echte Berliner zu finden. Als er am frühen Nachmittag durchs Brandenburger Tor spazierte, drängten sich hauptsächlich Schwaben, Bayern, Hamburger und Niederländer um Köhler und Wowereit. Sie wollten ein Autogramm erhaschen, Fotos schießen oder drei Worte mit ihm wechseln. „Eigentlich bin ich mehr an seiner Gattin interessiert“, meinte eine Frau. Die sehe so nett aus. Und, ach: „Der Wowereit, wie gebügelt und so schön braun.“ Am Sony-Center dasselbe Bild. Zielsicher steuerte der Bundespräsident auf einen Kegelklub aus Niedersachsen los, um wieder die Frage zu stellen: „Guten Tag, wie gefällt Ihnen Berlin?“ Gut, super, prima. Das war der einmütige Tenor und Köhler zeigte Charme. „Herr Regierender Bürgermeister, es loben ja alle Ihre Stadt.“

Dann gab es Gelegenheit, die Landespolitik kennen zu lernen. Köhler traf sich mit Parlamentspräsident Walter Momper (SPD) und den fünf Fraktionschefs im Abgeordnetenhaus und schaute sich die Ehrenbürger-Galerie an. Gleich zu Beginn seines Besuchs in Berlin saß er mit dem Berliner Senat zusammen. Nur die Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner war ein wenig pikiert, als Wowereit sie dem Bundespräsidenten so vorstellte: „Frau Knake-Werner ist das lebende Beispiel dafür, dass die PDS gleichzeitig demonstrieren und in der Regierung arbeiten kann.“

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