Berlin : Köhler im Container

Schüler schicken Hilfsgüter nach Afrika – der Bundespräsident unterstützt sie

Alexander Schäfer

10.55 Uhr in der Kreuzberger Hans- Böckler-Schule: Polizisten durchqueren ins Funkgerät flüsternd den Hof, Schüler aus 22 Nationen positionieren ihre Fotohandys, Lehrerinnen haben sich im ersten Stock einen Fensterplatz gesichert. Fünf Minuten später parken schwarze Limousinen vor dem Oberstufenzentrum für Konstruktionsbautechnik. Bodyguards bahnen den Weg: Der Bundespräsident und seine Frau betreten die Schule und werden dabei von sierra-leonischen Trommlern umtanzt.

Grund für den Besuch von Horst Köhler ist die Präsentation eines Hilfsprojektes für Sierra Leone. Die Idee ist faszinierend einfach: Ein komplett eingerichteter Container mit Werkstatt und Nähmaschinen wird nach Sierra Leone verschifft. Damit sofort losgearbeitet werden kann, wird ein Generator gleich mitgeliefert. „Mich begeistert das Motto des Projekts: Jung und Alt für eine Welt“, sagt Horst Köhler auf dem Schulhof, als er einen der beiden Container betritt. Drei Generationen arbeiten zusammen, damit die Hilfsgüter nach Afrika kommen: In dem vom 66-jährigen Wolfgang Priewe geleiteten Verein „Werkhaus Anti-Rost“ arbeiten pensionierte Metallhandwerker in einem vom Tagesspiegel unterstützten Projekt und prüfen gespendete Nähmaschinen auf Funktionstüchtigkeit. An der Hans-Böckler-Schule wirken Lehrer und Schüler aller Jahrgangsstufen mit: In Arbeitsgruppen reparieren sie die Werkzeuge und richten die Container ein.

„Die Menschen in Sierra Leone bekommen durch Projekte wie diese einen Hoffnungsschimmer“, sagen Horst und Eva Luise Köhler, die auf ihrer ersten Amtsreise das Land besuchten. Sierra Leone litt jahrelang unter einem blutigen Bürgerkrieg.

Neben den Sierra-Leone-Containern sehen sich Köhlers auf dem Schulgelände ein weiteres Projekt an: Berlins einzige Lehrschmiede. Seit 2000 besucht der Kunstschmied Uri Hofi aus Israel einmal im Jahr die Hans-Böckler-Schule. Gestern hämmerten Hofi und seine Handwerksschüler einen Nagel am glühenden Amboss. Woraufhin der Bundespräsident seinem Namen alle Ehre machte – Köhler heißen schließlich Menschen, die Holzkohle herstellen – indem er den selbst geschmiedeten Nagel in einen symbolischen Baum der Freundschaft einhämmerte.

12.30 Uhr. So ein harmonischer Besuch verläuft natürlich nicht ohne Gegengabe: Am Ende lud der Bundespräsident die Lehrer und Schüler zu seinem Sommerfest im kommenden Jahr in das Schloss Bellevue ein. Die beiden Container werden dann längst in Afrika sein.

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