Berlin : „König der Sportreportage“

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Kolja Reichert

Neues im Grünen Salon. „Harmonie Desastres“ ist ab heute bis zum 29. Mai das Motto im Grünen Salon in der Volksbühne. Jeweils um 20 Uhr stellen Meret & Ars Vitalis am Rosa-Luxemburg-Platz unter diesem Titel ihr neues Programm vor, mit dem sie bis Oktober auf Tournee sind. hema

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Ein musikalisches Opfer. „Allergnädigster König, Ew. Majestät, weye hiermit in tiefster Unterthänigkeit ein musicalisches Opfer...“ heißt es zu einem der Werke von Bach, die das Berliner Virtuosen Ensemble am 27. Mai um 20 Uhr im Festsaal von Schloss Britz zu Gehör bringt. Karten unter der Rufnummer: 882 7611 und soweit noch vorhanden, an der Tageskasse. hema

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Nordischer Filmklub. „Gubben i stugan“ – „Der alte Mann in der Hütte“ erzählt ohne Worte über einen pensionierten Waldarbeiter. Am 30. Mai um 19 Uhr wird der schwedische Film im Nordischen Filmklub im Felleshus in der Rauchstraße 1 gezeigt. hema

Wie schaffte es Hitler an die Macht? Durch Sport! Es sei das Turnen gewesen, das dem Nationalsozialismus den Boden bereitete. Diese These stellte vor fünfzig Jahren Willy Meisl (1896-1968) auf. Und der müsste es gewusst haben. Er war österreichischer Nationaltorwart, Front-Offizier, jüdischer Nationalist, Erfinder des Sportfeuilletons und Vorbild für Sportreporter bis heute. „Stets sicher in Stil und Urteil“, beschrieb Tagesspiegelautor Erik Eggers den „König der Sportreportage“, wie er in den 20er Jahren hieß, am Dienstag im Gartenzelt des Jüdischen Museums. Es wurde viel geschmunzelt, als danach Marcel Reif , Nachfolger Meisls an der Spitzensportreportagenspitze und Tagesspiegelkolumnist, aus Texten des Pioniers las. Lässig flanierend und augenzwinkernd beschreibt Meisl selbst die dramatischsten 4000-Meter-Läufe – und Reifs stimmlichen Hochleistungsmotor hörte man selten so langsam rollen. Am Ende des Abends kochten im Publikum noch die Emotionen hoch. Zwei weißhaarige Herren stritten, ob Vittorio Pozzo die Italienische Elf 1936 oder 1937 zur Goldmedaille führte. „Solange der Sport bekämpft wird, mache ich mir keine Sorgen um ihn“, schrieb Meisl. Das schütze vor Dekadenz. Wie verhält sich das heute, Herr Reif? Seine Antwort: Die Folgen der Professionalisierung des Fußballs seien manchmal schwer erträglich. Aber „solange an- und abgepfiffen und dazwischen 90 Minuten gespielt wird, will ich mir keine Sorgen machen müssen“.

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