Berlin : Königliche Alpenveilchen

Die Berliner Porzellan-Manufaktur KPM sieht sich auf dem Weg aus der Krise und stellt neue Lehrlinge ein

Alexander Visser

Alpenveilchen sind es heute. Keramikmaler Hagen Stolpmann stellt den Blumenstrauß auf dem Dekor „Breslauer Stadtschloss“ jedes Mal neu zusammen. Er entscheidet, welche Blume auf welchem Teller im Vordergrund steht – natürlich im Rahmen der historischen Vorgaben einer Serie, die einst Friedrich der Große in Auftrag gab. „Wir wahren die Tradition, die Malerei muss aber immer jung und frisch bleiben“, sagt der 40-jährige Maler der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM).

Nach Monaten intensiver Umstrukturierung meldet sich die KPM mit einer positiven Nachricht zurück: Das Traditionshaus bildet wieder Keramikmaler aus. „Wir suchen drei Lehrlinge zum Ausbildungsbeginn im kommenden Frühjahr“, sagte KPM-Sprecherin Constanze Brunn dem Tagesspiegel. Das Auswahlverfahren beginnt im Januar. Grund für die Nachwuchs-Suche: Es gibt wieder mehr Aufträge für KPM, vorrangig aus Fernost. „Wir freuen uns, dass wir auch im 241. Jahr unseres Bestehens die Werte, für die das Prädikat Manufaktur steht, weitervermitteln können“, sagt KPM-Geschäftsführer Elmar Schmitz.

Das Porzellanhaus im Besitz der Investitionsbank Berlin-Brandenburg (IBB) war wegen hoher Verluste in die Schlagzeilen geraten: Im Geschäftsjahr 2003 sollen es 1,5 Millionen Euro gewesen sein. Die IBB hat die Beratungsgesellschaft O&R Corporate Finance mit dem Verkauf des 1763 gegründeten Traditionshauses beauftragt. Bis Ende November soll er abgeschlossen sein. Nach Auskunft der Beratungsgesellschaft gibt es mehrere Interessenten, darunter auch Franz Wilhelm Prinz von Preußen.

„Vor allem nach China und Japan verkaufen wir derzeit besonders viel“, sagt Constanze Brunn. Während in Europa eher schlichte Designs gefragt seien, seien Asiaten stärker an üppigen Dekors mit Gold und Blumen interessiert. Am beliebtesten sind die königlichen Service von Friedrich dem Zweiten, wie etwa die Serie „Rocaille“ im Rokoko-Stil.

Wer einen der drei Ausbildungsplätze ergattern will, muss mit Arbeitsproben sein Talent beweisen – ähnlich wie bei Kunsthochschulen. Die Auszubildenden lernen den Umgang mit Porzellan von der Herstellung der Porzellanmasse bis zu Dekoration und Goldgravur. Die 23 KPM-Maler freuen sich auf die neuen Kollegen. „Es ist wichtig, weiterzugeben, was man sich selbst angeeignet hat“, sagt Hagen Stolpmann. Er begann seine eigene Ausbildung in der Königlichen Manufaktur 1981.

0 Kommentare

Neuester Kommentar