Berlin : Königliche Festtage

Friedrich der Große machte Porzellan aus Berlin in Europa populär. Wenn seine KPM 250 Jahre alt wird, soll groß gefeiert werden.

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Das Jahr Friedrichs des Großen geht zwar zu Ende. Aber er hat beizeiten dafür gesorgt, dass im kommenden Jahr gleich weiter gefeiert wird. Denn dann wird die KPM 250 Jahre alt. Am 19. September 1763 erwarb der König die Porzellanmanufaktur des Berliner Kaufmanns Johann Ernst Gotzkowsky. Die ersten Pläne für das Jubiläumsjahr stellten der heutige Eigentümer Jörg Woltmann und Geschäftsführer Peter Kesselmann am Montag vor. So will die KPM beispielsweise mit 22 Sondereditionen aus ihrer 250-jährigen Geschichte das Jubiläum markieren.

Dazu gehört eine goldene Tabakdose mit Blumenmuster, der es letztlich zu verdanken ist, dass überhaupt ein Jubiläum gefeiert werden kann. Friedrich der Große trug sie in der Schlacht von Kunersdorf, als ihn eine Kugel traf und am Metall abprallte. Das Original befindet sich heute in der Waffenkammer der Burg Hohenzollern zusammen mit der Uniform, die der König damals trug. Im Jubiläumsjahr werden zehn Nachbildungen für jeweils 1900 Euro aus Porzellan aufgelegt. Für diese Edition gebe es allerdings bereits Vormerkungen, sagte Kesselmann.

Andere Objekte werden dieser Tage gerade von Fachhändlern in Augenschein genommen. Dazu zählt auch das Kurland Konfektblatt mit einer antiken Szene, das es zwanzig Mal geben wird oder die reich bemalte französische Vase, die um 1830 von Friedrich Karl Schinkel entworfen wurde. Viele große Künstler und Designer haben für die KPM entworfen, im Klassizismus auch Johann Gottfried Schadow, in der Moderne unter anderem Georg Kolbe und Gerhard Marcks.

Nachdem Friedrich der Große die KPM gegründet hatte, verlieh er ihr mit dem blauen Zepter sein Markenzeichen. Er gab 21 Service für seine Schlösser in Auftrag. Lange bevor das Wort in diesen Breitengraden bekannt war, erwies er sich gleichzeitig als frühes Marketing-Talent. Denn unter seiner Regie wurde das KPM-Porzellan als diplomatisches Geschenk eingesetzt und so in ganz Europa sehr begehrt. Die Tradition, international mit dem Porzellan aus Berlin zu punkten, hat sich bis heute fortgesetzt.

Wenn im Schloss Bellevue Könige, Kanzler und Wirtschaftsführer aus aller Welt zum Staatsbankett zusammenkommen, tafeln sie in aller Regel deutsche Spezialitäten vom KPM-Service Rocaille. Das große Staatsgeschirr mit Goldrand hat freilich eine Besonderheit, die es im Laden nicht zu kaufen gibt. Am Rand prangt in Gold der Präsidentenadler. Auch als repräsentatives, typisch berlinisches Geschenk ist das Porzellan weiterhin populär. Als beispielsweise im vergangenen Jahr der Papst zu Gast war in der Stadt bekam er vom Regierenden Bürgermeister ein Brandenburger Tor aus KPM-Porzellan geschenkt. Bis 1989 war das Unternehmen ein Eigenbetrieb des Landes. Nach manchen Turbulenzen kaufte der Banker Jörg Woltmann das Unternehmen 2006. Seitdem tut er alles, um dessen Zukunft auf Dauer zu sichern. Er ist stolz darauf, dass die Präsidentensuite im Hotel Adlon mit KPM-Porzellan ausgestattet ist. Im Waldorf Astoria, das in Kürze eröffnet werden soll, wird es genauso sein.

Im Juli holte er Peter Kesselmann als Geschäftsführer nach Berlin.Der hatte zuvor 15 Jahre in Japan Erfahrungen gesammelt. Am Freitag fliegt er nach Peking, um dort einen Showroom zu eröffnen, in dem die Chinesen Porzellan aus Berlin begutachten und bestellen können.

Verschiedene Veranstaltungen und Ausstellungen sollen die Dauerausstellung auf dem denkmalgeschützten KPM-Gelände in der Wegelystraße in Tiergarten ergänzen. Dabei spielt die Geschichte der Tischkultur eine wichtige Rolle.

Aus Anlass des Jubiläums wird beispielsweise das um 1790 entstandene Service Kurland noch einmal ganz anders aufgelegt. In der neuen Variante ergänzen Reliefs aus mattem Biskuitporzellan am Rande von Tassen und Tellern die glänzenden Flächen, was das Kaffeetrinken zu einem sinnlichen Erlebnis macht. Das Service Kurland habe er sich schon im Alter von 28 Jahren gekauft und besitze es noch heute, da kaum was kaputt gegangen sei, erzählt Woltmann.

Zusätzlich zum blauen Zepter tragen die limitierten Sondereditionen als Logo, die Unterschrift, mit der Friedrich der Große damals den Kaufvertrag zeichnete. Das müsse schön für ihn gewesen sein, sagte Woltmann, so wie es für ihn 2006 auch schön gewesen sei, das Unternehmen zu erwerben. Leicht sei die Aufgabe nicht gewesen, das Unternehmen in eine sichere Zukunft zu führen. Er beschreibt es auf lässig berlinische Art: „Wie beim Hausbau, dauert länger und wird teurer.“

Nun soll das Jubiläumsjahr mithelfen, die Objekte aus dem weißen Gold noch begehrlicher zu machen, die Internationalisierung voranzutreiben und mit einem neuen Internet-Auftritt (www.kpm-berlin.com) eine große Berliner Tradition auch im Netz zu verfestigen.

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