Berlin : Königlicher Hörgenuss seit 250 Jahren

Susanne Wallentin

„Die barocken Bleipfeifen klingen traumhaft schön“, schwärmt Kantorin Beate Kruppke von der Karlhorster Kirche „Zur frohen Botschaft“. Dort steht die Amalien-Orgel, die eine lange Reise hinter sich hat: 1755 für die jüngste Schwester Friedrichs des Großen, Prinzessin Anna Amalia von Preußen (1723-1787), erbaut, stand sie anfangs im Balkonzimmer des Stadtschlosses. „Heute habe ich zum ersten Mal auf meiner Orgel gespielt. (…) Die Orgel macht mir große Freude“, schreibt Anna Amalia an ihre Schwester, Prinzessin Wilhelmine im Dezember 1755.

Mit dem Tod Anna Amalias endet auch die königliche Laufbahn der Meisterorgel. Von nun an ist sie Kircheninstrument, wandert von der Bucher Schlosskirche zur Nikolai-Gemeinde in Mitte. Seit 1960 ist sie in Karlshorst zu Hause. Noch heute wird die Gemeinde um die historische Orgel beneidet. „Ein Orgellichtblick mitten in Berlin“, „ein echtes Klangerlebnis“, „ein wahres Juwel“ – die Liste der Lobeshymnen im Gästebuch ist lang.

Die vielen Umzüge im Laufe der Jahre haben allerdings ihre Spuren hinterlassen. Die Kohleheizung im Karlshorster Gotteshaus, die inzwischen durch eine elektrische abgelöst worden ist, hat der Amalien-Orgel am meisten zugesetzt. Doch ihren wunderbar warmen Klang, von dem Beate Kruppke – die seit 2002 auf der Amalien-Orgel spielt – so schwärmt, hat sie sich bis heute bewahrt.

Nicht nur die besondere Qualtität, sondern auch der Mythos, der sich um Prinzessin Anna Amalia und ihr weit gehend unerforschtes Leben rankt, macht die Berliner Barockorgel zu einer Rarität der Musikgeschichte. Die Bachverehrerin, begabte Musikerin und Komponistin widmete ihr ganzes Leben und Vermögen der Musik – im nicht gerade frauenfreundlichen 18. Jahrhundert wahrlich kein Normalfall.

In diesem Jahr feiert übrigens nicht nur die Amalien-Orgel ihren 250. Geburtstag, auch Karlshorst wird 110 Jahre alt. Am heutigen Sonntag um 16 Uhr beginnt das Festprogramm mit einem Eröffnungskonzert mit Werken italienischer Komponisten wie Guiseppe Torelli und Petronio Franceschini für Orgel und zwei Trompeten. Und als Höhepunkt erklingt ein Bach-Solo für die barocke Jubilarin.

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