Berlin : Königliches Porzellan wird nicht zerschlagen

Investorengruppe um Helmuth Freiherr von Maltzahn plant, den Verkauf von KPM-Geschirr mit einer Open-Air-Bühne anzukurbeln

Ralf Schönball

Berlins Porzellan scheint vorerst gerettet. Eine Schließung der Königlichen Porzellan Manufaktur ist abgewendet. Die Senatsverwaltung für Wirtschaft will das Traditionshaus jetzt in eigener Regie sanieren. Damit ist das von der Investitionsbank Berlin betriebene Privatisierungsverfahren vorläufig gestoppt. Hinter den Kulissen heißt es jedoch, dass dieses Manöver vor allem dazu diene, um ein viel versprechendes neues Angebot für die Übernahme der KPM durch eine Gruppe um Helmuth Freiherr von Maltzahn genauer zu prüfen.

Die Investorengruppe will nach eigenen Angaben die meisten Arbeitsplätze an der Straße des 17.Junis erhalten. Maltzahn hat sich einen Namen gemacht durch den Erwerb von Baudenkmälern wie Schloss Braunshardt bei Darmstadt, für dessen Sanierung er den hessischen Denkmalschutzpreis erhielt. Auf seinem Schloss Ulrichshusen finden die renommierten Festspiele Mecklenburg-Vorpommern statt.

Den Produktionsbetrieb wollen die Investoren weiterführen. Dafür liegt ein Businessplan für fünf Jahre vor. Die Vermarktung der viel gerühmten Porzellan-Produkte soll durch die Nutzung des Innenhofes der vier KPM–Gebäude als „Open-Air-Theater“ angekurbelt werden. Die Altschulden der Manufaktur sollen nicht übernommen werden, doch weitere Subventionen erwarten die Anbieter nach eigenen Angaben auch nicht.

„Wir sehen eine reelle Chance, die KPM und den größten Teil der Arbeitsplätze zu retten“, sagte Christoph Lang, Sprecher von Wirtschaftssenator Harald Wolf. Nach Informationen des Tagesspiegels hatten die auf die Sanierung mittelständischer Unternehmen spezialisierte Firma „Steinbacher Treuhand“ Senatoren und Bankern zunächst einen Alleingang empfohlen. Wie zu erfahren ist, könnten bis zu 30 der 174 Stellen im Traditionsbetrieb noch abgebaut werden.

Die Sanierung in Eigenregie findet offenbar vor dem Hintergrund statt, dass das bisher bevorzugte KPM–Übernahmeangebot durch die Hoechst Porzellan Manufaktur einen Millionenzuschuss für den Personalplan erfordert hätte. Nun soll ein eigens für diese Aufgabe abgestellter Sanierer die Firma vor der Investorenauswahl aufpolieren. Diese Aufgabe soll jedoch innerhalb von Monaten abgeschlossen werden und die KPM dann verkauft werden.

Der heißeste Kandidat für die Übernahme der Manufaktur war bisher die frühere Tochter des Chemiekonzerns Hoechst. Allerdings soll in deren Konzept von „industriellen Synergien“ die Rede sein, was Insider zufolge eine mittelfristige Schließung des Produktionsstandortes in Berlin nicht ausschließt. Die glanzvolle Marke KPM würde dann Porzellangeschirr anderer Länder schmücken.

Das Konzept der Gruppe um Maltzahn ist nicht neu. Schon in der Vergangenheit hatten frühere KPM-Geschäftsführer den Aufbau einer „Erlebniswelt Porzellan“ geplant. Doch alle bisherigen Anläufe scheiterten am Geld. Nach Informationen des Tagesspiegels war die Manufaktur bisher sogar Mieten für einen Teil der bisher genutzten Immobilien schuldig geblieben.

Einige Beobachter des Bieterverfahrens geben jedoch zu bedenken, dass eine auf Tourismus und kulturelle Veranstaltungen zielende Bewerber-Gruppe ohne Vertriebserfahrung unter Umständen „das Porzellan nicht in die Regale des Fachhandels bekommt“. Wenn die begeisterten Berlin-Besucher jedoch in ihrer Heimatstadt keine KPM-Produkte kaufen können, würde das fürs Überleben der Manufaktur maßgebliche Ziel verfehlt – mehr Porzellan zu verkaufen.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben