Berlin : Königsallee? Koenigsallee!

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Alles, was über Berlin geschrieben wird, wurde schon mal geschrieben. Am kurzlebigsten unter den haushoch gestapelten Berlin-Büchern sind jene, die herumbaedekern. Schon in wenigen Jahren ist das Makulatur. Eine immer wieder gegebene Anregung zu reizvollem Stadtgebrauch ist die erinnernde Belebung eines alten Hauses, die Erinnerung gewissermaßen im Vorübergehen an ehedem angesehene Bewohner. Berlin gedenkt ja mit vielen Tafeln an Häusern verschiedener Persönlichkeiten und ihrer Schicksale. Und da gibt es zu diesen Gedenktafeln hinführend schon ein gutes Buch von Holger Hübner.

Auf dem literarischen Feld war Karl Voß der erste, der einen Berliner Reiseführer für Literaturfreunde zusammengestellt hatte (übrigens auch über England, Schottland und Paris). Ganz frisch auf den schwer beladenen Berliner Büchertisch wurde ein schmales Heft gelegt, auf dessen Vorder- wie Rückseite kleine, manchmal kaum noch erkennbare Porträts von Persönlichkeiten verschiedener Bereiche prangen. Vorne ganz oben die offenbar in solcher Reihe unvermeidliche Frau Dietrich. Auf 72 Seiten werden 58 Persönlichkeiten in aller Knappheit sehr gut vorgestellt samt ihren ehemaligen Berliner Wohnungen, die aber - wie zum Beispiel bei Adolf Menzel - nicht alle aufgezählt werden können. Auch Berühmtheiten wechselten oft die Quartiere.

Wer solche Texte mit schmal gekniffenen Augen kritisch anzuschauen hat, ehe er empfiehlt oder abrät vom Kauf, der sucht bei so vielen Adressen tückisch jene Straßennamen aus, die immer wieder falsch geschrieben werden. Heinrich Zilles Wohnung ist korrekt in die Sophie-Charlotten-Straße mit dem an die Charlotte gehängten "n" gelegt worden. Aber Walther Rathenaus Villa liegt eben nicht in der Königsallee, sondern in der nach dem Kunstmäzenen und wesentlichen Begründer der Grunewalder Villenkolonie K o e n i g s, also Koenigsallee. So gewann der Penible eine Wette; denn er hat noch nie ein neueres Buch über Berlin gelesen, das frei von kleinen, dessen ungeachtet ärgerlichen Fehlern ist. Dennoch: der kleine Führer von Tür zu Tür und Persönlichkeit zu Person - er ist ein hübsches Geschenk.

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