Berlin : Königssohn in freier Wildbahn

Felipe von Spanien ist in der Stadt – sein offizielles Besuchsprogramm startet am Dienstag

C. F. Röhrs/J. Hasselmann

Montagmorgen, die Fahndung läuft. Gesucht: Don Felipe Juan Pablo Alfonso de Todos los Santos Bourbon – Königssohn auf freier Wildbahn. Merkmale: 35 Jahre alt. Sehr groß. Dunkles Haar (schönes, volles, welliges!). Gerade Nase, braune Augen, ernstes Lächeln. Kurz: Europas hübschester Prinz. Und der ist in Berlin. Heimlich ist er bereits seit Sonntagabend hier, um genau 39,5 freie Stunden zu genießen, bevor er am Dienstag um 9.30 Uhr das spanische Kulturinstitut Cervantes eröffnet. Heute wird er ganz privat Sightseeing machen und am Abend in der Philharmonie ein Klavierkonzert besuchen.

Gute Möglichkeiten, einen Blick auf oder von Felipe zu erhaschen, gibt es also erst bei Programmpunkten am Dienstag und Mittwoch. Zweimal steigt der Kronprinz dann auf Dächer für den Blick über Berlin: am Dienstag um 10.25 Uhr besucht er die Kuppel des Reichstages. Am Mittwoch fährt Felipes Limousine, eskortiert von sieben Motorrädern, um 15.55 Uhr am Haus der Deutschen Bahn, Potsdamer Platz 2 vor. Der Prinz wird dann auf die Dachterrasse geleitet. Es ist zwar nicht Hausherr Mehdorn selbst, der den Prinzenführer geben wird, aber dennoch ein „hochrangiger Vertreter des Unternehmens“, hieß es bei der Bahn. Der Spanier ist nicht der erste Staatsgast, der auf Bitten des Auswärtigen Amtes empfangen wird. Zwischen Besuchen bei Kanzler und Bundespräsident, trifft der Prinz am Mittwoch um 15.30 Uhr auch Klaus Wowereit. Nach dem Empfang spazieren die beiden durchs Brandenburger Tor.

Pflichten dieser Art übernimmt Felipe schon seit er 18 ist. Als erster Kronprinz der spanischen Geschichte hat er damals vor dem Parlament den Eid auf die demokratische Verfassung abgelegt. Nun vertritt er den Vater auf vielen Auslandsbesuchen. Der Prinz ist ein guter Sohn. Brav hat er in Madrid Rechts- und Wirtschaftswissenschaften studiert und in Washington Internationale Beziehungen. Er wolle so werden wie sein Vater, hat Felipe einmal gesagt, und dass seine Bestimmung gottgegeben sei. Gläubig ist er also auch noch. Dies ist der Punkt, an dem man vielleicht begänne, den jungen Mann etwas zu perfekt, kurz: langweilig zu finden, wenn da nicht…

Das Unterwäschemodel also. Eva Sannum, Norwegerin. Felipes „Ausrutscher“ sagen konservative Spanier. José Luis de Villalonga, Biograph von König Juan Carlos, zum Beispiel, hat nach Bekanntwerden der Liaison einen Artikel über „Die Pflichten eines Prinzen“ veröffentlicht und gewarnt, die Ehe werde Spanien „auf das Niveau der Engländer“ hinunterziehen.

Vier Jahre waren Felipe und Eva zusammen. Dann kam im Dezember 2001 die Trennung – auf Druck der königlichen Eltern, hieß es. Allerdings: Vor kurzem wurden sie wieder zusammen gesehen. Wer also in des Prinzen gestohlenen Stunden zwischen Montag- und Dienstagmorgen einen großen Dunkelhaarigen und eine schlanke Rotblonde verliebt Unter den Linden bummeln sieht, weiß: einmal mehr vergeblich gewartet auf den Märchenprinzen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben