Köpenick : Eine neue Schatzkammer für die Staatsbibliothek

Der Grundstein für das Magazingebäude der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist gelegt. Das Depot in Friedrichshagen soll in den nächsten Jahrzehnten erweitert werden.

Stefan Jacobs
Magazingebaeude
Vom Fürstenwalder Damm wird das vierstöckige Gebäude erschlossen. Trotz seiner Größe (126 mal 68 mal 13 Meter) wird es von der...Simulation: Eberhard Wimmer Architekten/promo

Grundsteinlegungen, symbolische zumal, können ja zweierlei bedeuten. Entweder ruht der Grundstein noch einige Zeit in Frieden, bis es wirklich losgeht. Oder die Betonmischer und Kräne rotieren längst, aber die Grundsteinleger hatten vorher keinen Termin frei, so dass der symbolische Stein dem schon halb fertigen Bau untergeschoben werden muss. So wie am Mittwoch, als auf dem sogenannten Hirschgarten-Dreieck im Köpenicker Ortsteil Friedrichshagen der Baubeginn fürs neue Magazingebäude der Stiftung Preußischer Kulturbesitz gefeiert wurde.

Im Schatten der zwei bereits errichteten Geschosse wurden Ansprachen gehalten, in denen von einer „Schatzkammer“ die Rede war, von „gesamtstaatlicher Verpflichtung“ und vom Gedächtnis einer Hochkultur, dass es auf ewig zu bewahren gilt. Was keineswegs übertrieben ist, weil dieser Neubau am Fürstenwalder Damm erst der Anfang einer Speicherstadt sein wird, in der Raritäten aus Staatsbibliothek, dem Ibero-Amerikanischen Institut (IAI) und der Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte (bpk) aufbewahrt werden sollen. Allein der erste Bauabschnitt fasst in seinen vier Geschossen sechs Millionen Bände plus tausende Bilddokumente. Stiftungspräsident Hermann Parzinger nannte die Zahl von 240 laufenden Kilometern Regalbodenlänge, die im September 2011 übergeben und nicht nur die Stabi vor dem Überquellen bewahren soll, sondern auch im Pergamonmuseum Platz für Umbau und Rekonstruktion schaffen sowie das baufällige Depot in Dahlem ersetzen soll.

Vor allem ältere und weniger nachgefragte Bestände sollen von den wertvollen Innenstadtflächen nach Friedrichshagen ziehen. Publikum ist hier nicht vorgesehen, sondern täglicher Lkw-Verkehr zwischen Depot und Haupthäusern, so dass die Medien fürs Publikum erreichbar bleiben. Trotz automatischer Buchförderanlage wird der vom Münchner Architekten Eberhard Wimmer entworfene und aus 30 Konkurrenten ausgewählte Neubau kein lebloser Klotz, sondern beherbergt – neben den aufwendig klimatisierten und durch eine Gaslöschanlage vor Bränden geschützten Lagerräumen – auch Arbeitsräume für Archivare, Bibliothekare und Konservatoren. Rund 85 Millionen Euro investiert der Bund zunächst in das Projekt.

Das unvermeidliche Kastenformat des Betonbaus wird nicht nur durch den vorgezogenen Eingangsbereich aufgelockert, sondern auch durch eine dunkelgrüne Natursteinfassade, die für künftige Anbauten jeweils abgenommen und recycelt werden soll. Denn, wie Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup aus dem Bundesbauministerium sagte: „In 25 Jahren werden wir wieder hier stehen.“ Und in 50 Jahren wieder, denn für 2035 und 2060 sind weitere Bauabschnitte geplant. Das bundeseigene Grundstück ist mit 123 000 Quadratmetern groß genug.

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