Köpenick : Stillstand am Müggelturm

Seit Jahren soll am Müggelturm gebaut werden – geschehen ist nichts. Nun stehen die Pläne des Investors infrage. Der Vertrag könnte rückgängig gemacht werden.

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Stattlich, aber rott. Der Müggelturm ist 30 Meter hoch. Er wurde von 1959 bis 1961 nach einem Entwurf der Kunsthochschule Weißensee errichtet. Zuvor war der hölzerne Vorgängerbau abgebrannt. Für einen Euro kann man rauf, Karten gibt’s am Kiosk.
Stattlich, aber rott. Der Müggelturm ist 30 Meter hoch. Er wurde von 1959 bis 1961 nach einem Entwurf der Kunsthochschule...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Berlin - Der Wind pfeift einem um die Ohren auf einer der größten Bauruinen Berlins. Von der Aussichtsplattform oben auf dem Turm wandert der Blick über die Friedrichshagener Promenade mit ihrem Dampferanleger, die Müggelberge, den Müggelsee – und bleibt bei einem Schandfleck stehen: Dort wo ehemals ein Restaurant stand, gammelt jetzt nur noch ein Trümmerhaufen vor sich hin: überall Bauzäune, modernde Dachpappe und aus der Terrasse sprießen Grasbüschel.

Fast dreieinhalb Jahre ist es her, dass der Krefelder Investor Marc Förste den 1961 erbauten Müggelturm auf dem Kleinen Müggelberg und das dazugehörige Nebengebäude für 25 000 Euro gekauft hat. Der Geschäftsführer der Linh-Kieu-Projektentwicklung wollte ein „Eventzentrum Müggelturm“ errichten. Nun aber stehen die Pläne für das Gebäude vor dem Aus.

Schon am Anfang dieses Jahres, nachdem drei Jahre untätig verstrichen waren, stand Förstes Konzept auf der Kippe. Kurz vor Ablauf der Frist konnte der Investor aber doch noch einen Bauantrag einreichen. Schäden sollten beseitigt und die Gaststätte wiedereröffnet werden. „Schon im Frühjahr wollen wir weitere Schritte unternehmen“, kündigte Förste damals an.

Eine Ruine, noch
Hell und modern - so soll der Müggelturm mal aussehen. So plant es jedenfals Investor Matthias Große, Freund von Eisschnelläuferin Claudia Pechstein.Weitere Bilder anzeigen
1 von 22Foto: promo
11.06.2011 16:49Hell und modern - so soll der Müggelturm mal aussehen. So plant es jedenfals Investor Matthias Große, Freund von Eisschnelläuferin...

Passiert ist seitdem nichts. Der Grund: Die von Förste eingereichten Unterlagen waren unvollständig. Auch eine zweite Frist ließ er Ostern verstreichen. Der Bezirk Treptow-Köpenick beauftragte daher den Liegenschaftsfonds Berlin damit, zu prüfen, ob von einer Klausel Gebrauch gemacht werden kann und der Kaufvertrag aufgelöst werden soll. Für den Juli sind Gespräche zwischen Liegenschaftsfonds und Investor geplant.

Fest steht: Das Verhältnis zwischen Bezirk und Investor ist zerrüttet. „Förste hat versagt“, sagt Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD). Alles was er getan habe, sei ein wenig Schutt wegzuräumen. Trotz „Ermahnungen und Ermutigungen“ habe er nichts auf die Beine gestellt, sagt Hölmer. Oliver Igel, Vorsitzender der SPD-Fraktion Treptow-Köpenick pflichtet bei. Förste habe mehrere Jahre Zeit gehabt, ein tragfähiges Konzept zu entwickeln; jetzt sei das Vertrauen dahin. „Der Kaufvertrag sollte rückgängig gemacht werden“, fordert Igel.

Ganz so einfach sei das nicht, sagt Irina Dähne vom Liegenschaftsfonds Berlin. Denn: „Mit einer neuen Ausschreibung des Objekts wäre das Problem nicht gelöst.“ Einen neuen Käufer zu finden, sei schwierig, da es derzeit keinen Markt für solche Objekte gebe. Bevor das Objekt neu ausgeschrieben wird, wolle man sich erst mit dem Investor Förste an einen Tisch setzen.

Dass dann doch noch eine Lösung gefunden wird, hofft András Milak. Der Imbissbesitzer, der von sich selbst sagt, er sei „der letzte Mohikaner am Müggelturm“, hatte große Hoffnungen in Förste gesetzt, an den er jeden Monat 500 Euro Pacht zahlen muss. Förste habe ihm versprochen, einen neuen Kiosk zu bauen und für fließendes Wasser zu sorgen, erzählt Milak. „Doch das Wasser muss ich immer noch mit dem Auto ankarren.“

Ein Konzept für die Strom- und Wasserversorgung habe es nie gegeben, gesteht Stadtrat Hölmer. Förstes Plan wies Lücken auf. Aus Mangel an Alternativen habe man sich dennoch für ihn entschieden. „Ein Fehler“, meint Axel Werner Sauerteig von den Grünen. Er hielt „ein Eventzentrum Müggelturm von vornherein für völligen Irrsinn“. Eine „kleinere Ausflugs-Gastronomie“ sei angemessen, sagt er.

Das sieht mittlerweile auch Hölmer so. Er will den Müggelturm unbedingt erhalten, kann sich aber vorstellen, dass das seit dem Jahr 2002 leer stehende Nebengebäude auch abzureißen. Das war aufgrund des Denkmalschutzes bisher nicht möglich, könnte sich aber nun geändert haben. Denn Förste hat das Gebäude ohne Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt entkernen lassen. Ob es jetzt noch immer „denkmalschutzwürdig“ sei, müsse man erst prüfen, sagt Hölmer. „Herr Förste ist da wohl einen Schritt zu weit gegangen.“

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