Berlin : "Köpenicker Blutwoche": Nur nach Anmeldung in die Gedenkstätte

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Die Gedenkstätte der "Köpenicker Blutwoche" in der Puchanstraße 12 ist nur noch eingeschränkt zu besichtigen. Bis auf weiteres kann der historische Ort auf dem Hof des Amtsgerichtes nur nach Anmeldung besucht werden. "Es gibt Personalprobleme", sagte der Leiter des Heimatmuseums Claus-Dieter Sprink. Im vergangenen Jahr hatten noch zwei ABM-Kräfte den Betrieb aufrecht erhalten. Doch die Maßnahme wurde vom Arbeitsamt nicht verlängert.

Sprink hält den derzeitigen Zustand für einen Skandal. "Es kann nicht sein, dass ein solches Projekt brach liegt, gerade in der heutigen Zeit des zunehmenden Rechtsradikalismus", ärgert sich der Köpenicker. Er betont, dass eigentlich ABM-Stellen auf Dauer keine Lösung seien. Aus seiner Sicht müsse ein "festes personelles Fundament her". "Schließlich hat historische Arbeit etwas mit Kontinuität zu tun", sagt er. Dies könne nicht von der Förderungspolitik des Arbeitsamtes abhängig gemacht werden. Ähnlich sehen das auch die Bezirksverordneten. Sie fordern deshalb jetzt das Bezirksamt auf, die Gedenkstätte wieder drei Mal wöchentlich zu öffnen. Wie aus dem Bezirksamt zu erfahren war, werde an dem Problem "intensiv gearbeitet". Eine endgültige Lösung sei noch nicht in Sicht.

Das Besondere an der Gedenkstätte ist der Ort selbst. Denn das Gebäude zählt zu den wenigen authentischen Denkmalen Berlins. Im Juni 1933 führte die SA in Köpenick eine Aktion gegen politisch Andersdenkende durch. In dem Gefängnis an der Puchanstraße wurden die Opfer der so genannten Blutwoche gefoltert. Allein in Köpenick gab es damals 23 Tote. Sprink, der seit Jahren Besucher durch die Räume führt, hält die Auseinandersetzung mit diesem Thema für sehr wichtig. Gerade Jugendliche sollten da herangeführt werden. "Was man in der Gedenkstätte sieht, lässt einen nicht kalt."

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