Körper und Geist : Hochschulsport in Gefahr: Unis sollen für Hallen zahlen

Die Berliner Senatsbehörde will den Unis ihren Status als förderwürdige Sportorganisationen streichen. In Kürze müssen die Lehrstätten zudem für die Nutzung der Stadtbäder aufkommen. Für die Studierenden bedeutet dies: wenig Angebot für viel Geld.

Ulrich Zawatka-Gerlach

Etwa 50 000 Berliner Studierende, die an den Hochschulen nebenbei Sport treiben, müssen mit deutlich höheren Gebühren oder einem drastisch eingeschränkten Kursangebot rechnen. Denn die Senatssportverwaltung will den Universitäten und Fachhochschulen den Status als förderungswürdige Sportorganisationen aberkennen. Wenn es so kommt, dürfen die kommunalen Sportanlagen von den fünf Zentraleinrichtungen für Hochschulsport nicht mehr kostenlos genutzt werden.

Dies soll in der neuen Sportanlagen-Nutzungsvorschrift (SPAN) festgeschrieben werden, die seit Monaten von den Senatsverwaltungen für Inneres (zuständig für Sport) und Bildung, Vertretern der Bezirke sowie dem Landessportbund verhandelt wird. Die Novellierung war schon fast beschlossene Sache, aber die Hochschulpräsidenten beschwerten sich so massiv über die drohenden Mehrbelastungen für den Hochschulsport, dass die Bildungsverwaltung der neuen Nutzungsverordnung die Zustimmung verweigerte.

Martina Rost, Direktorin der Zentraleinrichtung Hochschulsport an der Humboldt-Universität (HU), begründet die Kritik der Betroffenen: Allein an der HU belegen fast 15 000 Studierende Kurse für über 80 Sportarten. Von Leichtathletik und Fußball über Segeln und Rudern bis zum Kickboxen und Indoor Biking. „Wir nutzen dafür über 20 öffentliche Sportanlagen im Bezirk Mitte. Eigene Sportstätten haben die Berliner Hochschulen nicht, im Gegensatz zu vielen anderen Uni-Städten in Deutschland.“ Sollte die HU künftig Nutzungsgebühren zahlen müssen, sei mit Mehrausgaben von 250 000 Euro nur für den Sport an der Humboldt-Uni zu rechnen.

Der gesamte Hochschulsport in Berlin nimmt etwa 60 bis 80 bezirkliche Plätze und Hallen in Anspruch. Entsprechend rechnen sich die Zusatzbelastungen für Unis und Fachhochschulen auf bis zu einer Million Euro hoch, sollten die Anlagen nicht mehr gratis nutzbar sein. Dieses Geld ist im Budget der Hochschulen aber nicht vorhanden. Erschwerend kommt hinzu, dass die landeseigenen Bäderbetriebe schon ab September ihre Hallen nicht mehr unentgeltlich zur Verfügung stellen. Das kostet allein den Hochschulsport der HU 204 000 Euro jährlich. Deshalb werden Schwimmen, Aquafitness usw. vorerst nicht mehr angeboten, weil studentenfreundliche Preise nicht mehr kalkulierbar sind.

Die Senatsinnenverwaltung wollte zu den laufenden Verhandlungen über die neue SPAN nicht Stellung nehmen. Dem Vernehmen nach beharrt die Behörde aber auf ihren harten Positionen und schlägt den Hochschulen vor, ihre Sporteinrichtungen künftig als Verein zu organisieren. Das lehnen die Unis ab, sie wollen keine neuen bürokratischen Strukturen, die nur Personal und Geld kosten. Außerdem verweisen sie auf das Berliner Hochschulgesetz, das die Förderung des Hochschulsports als staatlichen Auftrag formuliert. Die Schulen müssten für die Nutzung kommunaler Sportstätten ja auch nichts zahlen.

Die Grünen gehen sogar noch einen Schritt weiter und fordern in einem Parlamentsantrag, auch den nichtorganisierten Sport als förderungswürdig einzustufen. Nur ein Drittel der Sport treibenden Berliner seien Mitglied eines Vereins und anderer Sportorganisationen oder nutzten kommerzielle Angebote. Auch der – im Trend liegende – selbst organisierte Sport dürfe von der öffentlichen Hand nicht diskriminiert werden.

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