Berlin : "Körperwelten": Die Schau der Plastinate fährt satte Gewinne ein

Thomas Loy

Eine paar gute Nachrichten vorweg: Die schwül-heißen Tage machen den Plastina- ten in der Körperwelten-Ausstellung nicht zu schaffen. Das versichern die Ausstel- lungsmacher. Auch den Besuchern gehe es überwiegend gut, trotz des langen Wartens vor den Kassen. Wegen des Ansturms ist die Ausstellung im Postbahnhof am Ostbahnhof inzwischen Tag und Nacht geöffnet, durchgehend 24 Stunden, bis zum 2. September, Punkt Mitternacht. Das Durchhalte-Motto: Tote schlafen nicht!

Der Preis ist immer der gleiche: 22 Mark für Erwachsene, 16 Mark für Studenten, 10 Mark für Schüler. 1,2 Millionen Besucher haben sich die 200 plastinierten Körper bisher angeschaut, weltweit waren es sechs Millionen. Laut Veranstalter sind die Körperwelten die erfolgreichste Sonderausstellung aller Zeiten. Die Berliner Ausstellungsmacher muss dieser Superlativ nachdenklich stimmen. Die letzte große Ausstellung im Gropiusbau - "Sieben Hügel" - kostete mehr als 30 Millionen Mark und spielte davon gerade mal vier wieder ein. Für das in dieser Höhe nicht erwartete Defizit kam die Lottostiftung auf. 400 000 Besucher wollten die aufwendig gestaltete Erlebniswelt der Wissenschaften sehen, zu wenig bei vergleichsweise günstigen zehn Mark Eintritt.

Die Körperwelten wurden dagegen ausschließlich privat finanziert, sagt Marketingleiter Kurt Tillmann. Die Ausstellung soll in erster Linie die hohen Vorlaufkosten wieder einspielen. Ein Plastinat herzustellen, dauere immerhin ein ganzes Jahr, das Pferd mit Reiter brauchte sogar drei Jahre, beziehungsweise 12 000 Arbeitsstunden. Hinzu kommen laufende Kosten. Allein Transport und Installation der Ausstellung in Berlin kosteten 1,9 Millionen Mark.

Monatlich fallen noch einmal rund 700 000 Mark für Personal, Miete, Sicherheit und Reinigung an, wie Angelina Whalley vorrechnet, die geschäftsführende Direktorin des Instituts für Plastination in Heidelberg. Über Einnahmen schweigt sie sich jedoch aus - also selber rechnen: Bei einem durchschnittlichen Eintrittsgeld von 16 Mark kämen allein in Berlin bislang rund 20 Millionen Mark zusammen. Tillmann räumt ein, dass die Ausstellung Gewinne macht. "Fast jede Mark" davon würde reinvestiert, in neue Plastinate und Forschungsprojekte insbesondere in China, wo sich Institutschef Gunther von Hagens überwiegend aufhält. Tillmanns Botschaft. "Wir verdienen uns keine goldene Nase."

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