Körperwelten : Lieber mit

Körperwelten hin oder her: Bernd Matthies verweigert die Aufregung über einen nackten Bären.

Bernd Matthies
Bernd Matthies, Redakteur für besondere Aufgaben.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Seine Leichen leben noch – aber die Aufregung über Gunther von Hagens „Plastinate“ hat sich gelegt. Das ist an sich kein schlechtes Zeichen, denn der seltsame Totenfreund hatte wie kaum ein anderer die Provokation zum Marketinginstrument verfeinert. Jedes zornige Bischofswort ein paar Meter Warteschlange mehr, jeder Zeitungskommentar ein messbares Plus in der Kasse, das läuft wie plastiniert.

Also wäre es natürlich im Sinne des umtriebigen, ja, Künstlers, wenn sich auch jetzt wieder ein gewaltiger Proteststurm erhöbe gegen den enthäuteten Bären. Denn entweiht Hagen damit nicht das viel geliebte Wappentier der Stadt, vollzieht er damit nicht einen rituellen Bärenmord geradezu knutesken Ausmaßes?

Ach, eben nicht. Nur, weil sie in China einem Bären das Fell über die Ohren ziehen und ihn dann zum Artefakt präpariert nach Berlin schaffen, ist das noch lange kein Weltereignis. Knut lebt, das ist die Hauptsache, und auch er zieht nicht mehr ganz so viele Besucher an. Sollte er dereinst in die ewigen Jagdgründe abberufen werden, wünschen wir ihn uns präpariert, na klar. Aber mit Fell!

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